ccuturn

8/08/2008

: uturn 13 | 08.08.88 - 08.08.08

Am 08.08.1988 bereitete ich mich am Wochenende auf Dreharbeiten in Goslar vor. Fernab in Burma starben mehr als 3.000 Studenten bei dem Versuch die Militärjunta Burmas mit friedlichen Mitteln zu stürzen. Das Militärregime konnte sich der unprätentiösen Waffenunterstützung des totalitär-maoistischen Nachbarn China sicher sein, damals wie - neokapitalistisch gewandelt - heute.

Am Abend des 08.08.2008 werden die Olympischen (TV)Spiele in Peking eröffnet, zahlreiche selbsternannte oder so genannt demokratisch gewählte Staatsvertreter werden mit leuchtenden Augen den Zeremonien ihres wichtigsten Wirtschaftspartners folgen; die 8 ist eine besondere Glückszahl für die Chinesen klärte uns Unwissende bereits vor einigen Tagen das manager-magazin auf, damit wir den schwierigen Sachverhalt bis zur Propaganda(live)-Schaltung auf allen Kanälen auch verstanden haben.

Ich muss zugeben, dass ich vor 20 Jahren an andere Freuden des Lebens dachte, als an die Verteidigung von Menschenrechten im Burmesischen Golf. Als Berliner war ich mit der prägenden Wahrheit, was Freiheit -auch des Reisens- bedeuten kann, gross geworden. Spätens am Tränenpalast war für meine Freunde Schluss mit lustig, und wenn man das Glück hatte, die letzte U-Bahn in den Westen zu verpassen, konnte man angetrunken und müde den offenen Lebensbeichten der DDR-Grenzorgane lauschen, die sich nicht scheuten, sich für ihren sozialistischen Bohnenkaffee zu entschuldigen.

Damals hatte ich - glücklich befreit von der ersten S- oder U-Bahn am Bahnhof Wedding zum Espresso wieder ausgeworfen - gedacht, dass diese sich so merkwürdig gebärende deutsch-sozialistische Idee eine geschickt vermarktete Fortsetzung alter national-sozialistischer Ideale wäre, die ich glücklicher Weise nur aus Erzählungen kannte, und Dank heroisch verklärter Riefenstahl-Bilder halbwegs visualisieren lernte.

20 Jahre später, am 08.08.2008 ist alles so schön bunt hier, dass man die Realität vor HD-flackernden Bildern kaum ahnen kann. Es ist an dieser Stelle müssig, sich darüber zu erregen, ausser der kleine Adrenalin-Schub kann nicht anders besorgt werden, dass "die unpolitischen deutschen Blogger" nicht die Chance ergriffen haben, in gepflegter Langzeit-Recherche seit dem Herbst des vergangenen Jahres, oder - für die Heerschaaren der GutMensch-Blogger vielleicht passender - seit den nur kurzfristig medienwirksam inszenierten tibetischen Tumulten im Früjahr 2008, die Rolle Chinas im 21.Jahrhundert zu sezieren. "Liebe selbsternannte oder so genannt traffik-erwählte A-, B- oder sonstwie Blogger (mit oder ohne google-ads sponsering), lasst es Euch sagen: Ihr seid ein so herrliches Spiegelbild dieser Gesellschaft, dass es nicht verwundert, so selten komplexere Zusammenhänge in Euren Tagesnotizen zu lesen, bei den SpOnikern steht es ja auch nicht!"

Es gibt jedoch unermüdliche C(ultur)-Blogger, leidenschaftliche Amateure, die aus ihrer Passion nicht selten zur Profession erwachsen (nicht unähnlich den C-Movie Machern). Godard bewunderte die Foto-Amateure, da durch ihr zahlreiches Knipsen die grossen Companies die Entwicklungskosten neuer Filmemulsionen generierten, und ihm damit das Filmen überhaupt ermöglichten. Vielleicht lässt sich das auf Blogs wie das von Christiane Zintzen, Wien und gelegentlichen Gastautoren geführte in|ad|ae|qu|at übertragen, die in einem steten Netzwerk Blog4Burma seit fast einem Jahr die Nachrichten-Diktatur der deutsch-sprachigen Massenmedien durchbrechen, und aus verschiedenen Quellen kommentierte Lageberichte zum Burmesischen Freiheitskampf veröffentlichen. Unerbittlich, unabhängig, unaufgefordert, nur sich selbst und dem Inhalt verpflichtet:

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III. 8888 SPIRIT

BURMA 8 8 88 2008Das fatale Datum - auch bekannt unter der Formel “8888 Uprising” - erinnert an jene zum Volksprotest ausgeweiteten Studentendemonstrationen , bei welchen bis zu 3.000 Menschen getötet wurden und Unzählige verschleppt : So die Angaben von Menschenrechtsorganisationen , während die Regierung von nicht mehr als einigen Dutzend Toten sprach . In der Folge wurde hüben , auf Seite der Junta , jene moderne Variation der Gestapo gegründet , welche zunächst unverblümt auf den Namen “State Law and Order Restoration Council” ( SLORC ) lautete , ab 1997 dann euphemistisch als “State Peace and Development Council” ( SPDC ) figurierte . Drüben entstand jene National League for Democracy die , bei den Wahlen 1990 von einer Bevölkerungsmehrheit votiert , vom putschenden Militär in den Hafen von “Peace and Development” , respektive : von “Law and Order Restoration” zurückgejagt wurde : Tod , Inhalftierung , Exil . - Trotzdem : Mizzima News spricht von einem “8888 spirit” , dessen Flamme auch nach zwei Jahrzehnten Unterdrückung nicht auszulöschen war .

Nun hat bekanntlich Peking den Start der freien Olympischen Spiele anno 2008 just auf den 8. 8. terminiert : eine Provokation für Jeden , der Burmas Generälen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und noch nicht völlig vom schieren Überlebenskampf absorbiert ist .

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1 Tag vor Peking , 20 Jahre und 1 Tag vor dem Desaster des 8. 8. 1988 | in|ad|ae|qu|at |
11-seitiger Beitrag mit umfassender link-Liste
für weiterführende Quellen-Literatur

czz-blog4burma-inadaequat


tags : activism, burma, china

3/23/2007

: uturn 12 | Europas erklärte Farce

Wenn anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Europäischen Union am 25. März 2007 in Berlin alle 27 europäischen Staats- und Regierungschefs feierlich eine 'Berliner Erklärung' verkünden werden, feiern sie vor allem sich selbst.

Die 'Erfolgsgeschichte Europas', die seit Tagen über alle Äther wabert, findet ihre Wurzeln in der Neuordnung des Nachkriegseuropas unter dem massiven Machteinfluss der USA, mit Deutschland als dem ökonomischen Zentrum für eine stark expandierende US-Wirtschaft und in militärischer Frontlinie zum sogenannten Warschauer Pakt (WVO). Die mit Beginn des Kalten Krieges in den 1950er Jahren vorangetriebene Integration der jungen Bundesrepublik Deutschland führte 1957 mit dem Zusammenschluß von 6 europäischen Staaten zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).

Der Staatenverbund 'Europäische Union' (EU) besteht nach dem Zerfall der militärischen Blöcke in Europa und der Neuorientierung des osteuropäischen staatskapitalistischen Wirtschaftsraumes aus 27 Mitgliedern mit knapp 500 Millionen Einwohnern. Die EU ist ein starker wirtschaftlicher Markt, von dem vor allem Exportweltmeister Deutschland jährlich rund 600 Milliarden Euro im Außenhandel mit seinen europäischen Nachbarn verdient. Die wachsende neoliberale Ausrichtung der EU hat nicht zu den ehemals versprochenen sozialen Mindeststandards in Europa geführt, und fördert die soziale Unsicherheit seiner Bewohner durch zunehmende prekäre Arbeitsverhältnisse. Innen- wie außenpolitisch bleibt die EU eine geschickt inszenierte Farce ohne Rückendeckung der europäischen Bevölkerung. In dem von Konsum und Produktion beherrschten Europa verliert sich der Gedanke an seine gemeinsame Kultur, verbrauchen sich individuelle Vielfalten.

Nach der Ablehnung der Europäischen Verfassung bei französischen und niederländischen Volksabstimmungen -über die sich sicherheitshalber der deutsche Bundestag erzdemokratisch hinweggesetzt hatte- sollen nun zum runden Jahrestag der 'Römischen Verträge' mit einer geheimnisvoll vorbereiteten 'Berliner Erklärung' die Mitgliedsstaaten gedrängt werden, eine veränderte EU-Verfassung zu ratifizieren. Um "unnötige Komplikationen" zu vermeiden, taucht das Wort 'Verfassung' in dem Text nicht auf, allerdings werden bereits im Vorfeld des Sondergipfels Passagen bekannt. Die starke wirtschaftliche Macht der EU zielt auf eine bedeutendere militärische Rolle im offensiver ausgerichteten 'euroatlantischen Raum' der NATO. Zur "Sicherung von Frieden und Freiheit" wird unter deutscher EU-Ratsführung eine Europa-Armee gefordert.

Erst Klima-Luftnummer, jetzt künstlich aufgesetzte Gemeinsamkeiten zur 'Europa-Feier'. Die 2 Millionen Euro teure Jubelfeier solle nur der Verschleierung eines 'Berliner Verschweigens' dienen, verkündete noch rechtzeitig eine Schar unwilliger Linkspolitiker, Künstler und Wissenschaftler in einer Gegenerklärung. Der öffentliche Widerstand gegen zunehmenden Kulturraubbau, Zerstörung der Sozialstaatlichkeit und Aufrüstungsgebot unter europäischer Flagge hält sich in beschaulichen Grenzen. Den Glauben an eine partizipative Demokratie hat immerhin attac nicht verloren, Jochen Habermas will gar mit müden Aufrufen zur Europawahl 2009 eine "schlafende Mehrheiten für eine Vertiefung der Europäischen Union wecken". Und während der 'Europäische Traum' gerade für junge Europäer in nutzlosen bürokratischen Gängeleien zerplatzt, schreiben Amerikaner wie Rifkin Bücher über ihren ungelebten amerikanischen Alltag und wie europäisch es in den Vereinigten Staaten sein sollte.
Uwe Haack

:. Mit der Seele suchen, Ekkehart Krippendorff | Freitag 11
:. 10 Prinzipien für einen EU-Vertrag | attac, pdf

1/05/2007

: uturn 11 | Wundertüte für Obdachlose

wedding87

Man nennt sie Penner oder Berber, früher auch Land- oder Stadtstreicher. Gemeint sind Obdachlose, besser gesagt Wohnungslose, die am Rand dieser reichen Gesellschaft leben, und die sichtbare Form der Armut darstellen. In Deutschland gibt es keine offizielle Statistik der Wohnungslosen. Die aktuellste Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) in Bielefeld bezieht sich auf das Jahr 2004 mit ca. 345.000 Personen, davon leben ungefähr 20.000 ohne Unterkunft auf der Straße, darunter 9.000 Kinder. Die BAGW spricht davon, dass von den 'auf Platte' lebenden Menschen zwischen 1990 und 2004 mindestens 225 Menschen erfroren sind, und weitere 107 Wohnungslose seien vorwiegend von jugendlichen Tätern getötet worden.

Andere Schätzungen sprechen von etwa 591.000 Menschen in Deutschland ohne einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum. Zusammen mit ungefähr 269.000 Aussiedlern ergibt das immerhin bundesweit 860.000 Menschen ohne eine Wohnung; das entspricht knapp der Gesamteinwohnerzahl von Köln, der viertgrößten deutschen Stadt.

Die romantische, idealisierende Vorstellung von Obdachlosigkeit findet man in Paris im sogenannten Clochard. Die Hilfsorganisation 'Enfants de Don Quichote' nutzte das in weihnachtlichem Glanze strahlende und von zahlreichen Touristen bevölkerte Zentrum der Seine-Metropole, um auf die aktuelle Armut aufmerksam zu machen.

In Frankreich sind offiziellen Zahlen zufolge etwa 86.500 Menschen obdachlos. Nach Angaben des Hilfswerks Emmaus verfügen eine Million Menschen über keine Wohnung. 100.000 Menschen leben demnach auf der Straße, die übrigen in Wohnwagen, Zelten oder Obdachlosenheimen. Die kirchliche Stiftung Abbé Pierre spricht sogar von insgesamt 3,2 Millionen 'schlecht untergebrachten' Franzosen. Der Verein 'Die Kinder von Don Quichote' spendete 100 rote Zelte, die entlang des Kanals Saint Martin aufgestellt wurden, und zum Jahreswechsel zu einer Aufsehen erregenden Medienkampagne geführt haben. Prominente Künstler, Politiker und Journalisten wurden eingeladen, zum Zeichen der Solidarität mit den Obdachlosen eine Nacht in den Zelten zu verbringen. Ein 'Manifest für das Recht auf eine menschenwürdige Wohnung' wurde ausgerufen.

Vier Monate vor der Präsidentschaftswahl hat die französische Regierung reagiert und will das Recht auf eine Wohnung gesetzlich verankern und einklagbar machen. Ministerpräsident Villepin hat angekündigt, dass ein entsprechender Gesetzesentwurf bis Ende Februar im Parlament diskutiert werden soll. Die Präsidentschaftskandidaten überschlagen sich mit Wahlversprechen: der Kandidat der Konservativen Sarkozy verspricht, dass es in zwei Jahren keine Obdachlosen mehr geben werde, sollte er die Wahl gewinnen.

Hastig stellt Sozialministerin Catherine Vautrin eine Soforthilfe von 70 Millionen Euro bereit, damit Obdachlose länger in Notunterkünften betreut werden können. 'Don Quichote' gehen die Zugeständnisse der Rechtsregierung nicht weit genug. Die Hilfsorganisation fordert durchgehende Öffnungszeiten von Notunterkünften und mehr Sozialwohnungen. 'Auf dem Rücken der sozial Schwächsten sollen Punkte für den Wahlkampf gesammelt werden' vermutet der sozialistische Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë. Gesetze allein sind keine Lösung, wenn der politische Wille fehlt. Seit 2000 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass 20 Prozent der Neubauten Sozialwohnungen sein müssen, doch viele 'gutbürgerliche' Kommunen drückten sich davor und zahlen lieber die vorgesehenen Strafen.

Die Situation in der Bundesrepublik Deutschland wird sich ab diesem Jahr für Obdachlose und sozial Schwache wohl deutlich verschärfen. Nicht ein einziger regionaler Wahlkampf wird ausgetragen von dem sie möglicherweise profitieren könnten - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Die BAGW forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, dem französischen Beispiel zu folgen und in die deutsche Verfassung ein Recht auf Wohnen einzuführen, das den Wohnungsverlust verhindert. 'Es ist eines modernen Sozialstaats unwürdig, dass Menschen von dem Verlust ihrer Wohnung bedroht sind, wenn sie ihre Miete nicht mehr bezahlen können', sagte Dr. Thomas Specht-Kittler.

Obdach- und Arbeitslosigkeit sind ein Teufelskreis, aus dem die Betroffenen kaum herauskommen können. Ab 1. Januar 2007 sollen für ALG2-Empfänger Sanktionsmaßnahmen schneller angewendet werden. Nach der zweiten 'Plichtverletzung' kann der Hartz 4-Regelsatz schon um 60 % gekürzt werden, sogar Heizungs- und Unterkunftskosten können davon betroffen sein. Ob diese Regelung verfassungskonform ist, wird sich in künftigen Verfahren zeigen. Hat man erst die Wohnung verloren, ist es fast unmöglich wieder eine Arbeit zu finden, da wohnungslose Menschen, die in Wohnheimen leben, pauschal von Leistungen zur Beschäftigungsförderung ausgeschlossen sind.

Der 'moderne Sozialstaat' wird den sozialen Druck erhöhen, weitere Reformen hat Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Neujahrsansprache bereits angesprochen. Mit alten Tricks wird die Bundesagentur für Arbeit auch weiterhin die Arbeitslosenstatistik glätten, und Vertreter der Großen Koalition werden ungeniert Arbeitslose denunzieren, offenbar vom verängstigten Wahlvolk geduldet.
Es ist sehr bezeichnend wie verhalten die deutsche Mainstream-Presse auf die Pariser Aktionen reagiert. Wieviele Menschen haben eigentlich seit Einführung der gesetzlichen 'Verordnungen zur Reform des Arbeitsmarktes' (Hartz 4) ihre Wohnung verloren? Ist das Thema spektakulärer wenn es Akademiker betrifft?
Uwe Haack, via | tatenlose vollbeschäftigung |

still.collage : Toter Wedding
aus dem Fotofilm 'Barrikaden' Berlin 1987 | © Uwe Haack

in READERSEDITION wurde der Artikel unter dem Titel Ganz unten - Obdachlose ohne Lobby veröffentlicht.

12/08/2006

: uturn 10 | V-Attakk

v-attakk

Klirrend springen Messerklingen auf, mit eisigen Blicken mustern sich zwei Jugendliche, was geht da ab?
Mit dieser stummen eindrucksvollen Bildsequenz beginnt das erste Musikvideo 'Krieg und Frieden'(real-player) der jungen Kölner Band V-Attakk. CUT . Samet und Kanil tauschen ihre Klappmesser gegen Mikrofone, und rockig geht ihr unbändiger HipHop los.

Der Videoclip hatte seine Premiere im Rahmen der SEE YOUth-Veranstaltung 'Coole Cologne Clips', und wurde begeistert vom Publikum aufgenommen. Jetzt ist V-Attakk zusammen mit anderen wilden, jungen Bands aus NRW in der pop@rena live zu erleben.

V-Attakk sind die fünf Musiker Anil Kuru, Samet Kaplan, Daniel Machnik, Markus Pawlytta und Peter Gonska. Das V steht für Vingst, einem nicht gerade von der Sonne verwöhnten rechtsrheinischen Flecken Kölns, der zwischen Autobahnabfahrten und überlebter Industriebrache nach einer neuen Identität sucht. Die polnisch-türkischstämmigen RapRocker hatten das Glück, sich im Vingster SOZI zu treffen.

Die Rockstation wird seit Jahren sehr engagiert von Heinz Sieke geleitet, der die beiden Rapper Samet und Kanil beim Sound-Frickeln am Computer beobachtet hatte, und sie erst im vergangenen Sommer in den Keller schickte, "damit sie hören, wie richtige Instrumente klingen". Im Herbst enstanden die Aufnahmen zu ihrem ersten Musikvideo, jetzt der Live-Auftritt, der als Stream im Internet zu sehen ist.

V-Attakk, Rockstation, pop@arena, Rock, Funk, Rap, HipHop, Punk-Rock für mehr Respekt. 7 junge Bands zeigen was sie können. Ihre Clips sind schon jetzt kleine Erfolgsgeschichten, die ohne die unermüdliche Arbeit einzelner Projektbetreuer nicht denkbar wären. Von Lippenbekenntnissen leben diese Projekte auch in einer sogenannten Medienstadt nicht. Respekt!
Uwe Haack

pop@rena
10.12.2006, 16-21 H Kölner Filmhaus, Maybachstr. 111, Köln, freier Eintritt
:. live-stream | real-player

in der READERSEDITION wurde der Artikel als V-Attakk rockt für mehr Respekt veröffentlicht.

11/02/2006

: uturn9 | Klimakiller Unterschicht

Mit der naiven Frage "Warum tut der Mensch so wenig, um den Klimawandel zu bekämpfen?" beginnt Holger Gertz seinen Artikel Spaß bis zum Absaufen für die SZ. "Seine Bereitschaft, an Wahrheiten vorbeizuschauen, ist sehr groß, wenn er aus dem Weggucken Profit ziehen kann."
Gertz führt die "Spaßterroristen beim Fernsehen" und ihr zeitgeistiges Publikum mit Szene-Bier und Arschgeweih vor, die froh darüber sind, in einem Oktober mit 25 Grad "echt nich' mehr nach Malle" fliegen zu müssen, und abends bei Volksmusiksendungen und albernen Quizshows vom gelangweilten Alltag entspannen.

Gertz folgert richtig, dass Betroffenheitsjournalismus keine Quote bringt, Unterschichten-TV funktioniert nur mit einfacher Unterhaltung. In dieser Programm-Schiene würde man seine Anmerkungen allerdings auch nicht verstehen, sie sind zu uncool "Is doch supi, so"n ultralanger Sommer".

Gertz lässt Kommunikationsforscher von einer Wissenskluft sprechen "die weniger Gebildeten glauben sowieso immer, sie könnten nichts tun ... zu viele entmutigende Erfahrungen", und die Oberschicht fährt mit geregeltem Katalysator.
Alles klar, der Unterschicht fehlt es an Problembewusstsein, und die Gebildeten sind skeptisch gegenüber Horrormeldungen, deshalb passiert nix. Eine wirklich einfache (medien)Welt mit stilsicherer Betroffenheit vorgetragen. Wie wäre es mit zeitraubender Recherche zum Thema, z.B. Ökonomie trifft Ökologie?
Uwe Haack, via | tatenlose vollbeschäftigung |

9/07/2006

: uturn8

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Arm inmitten des Reichtums

Krasse Gegensätze zeichnen ein Land, das schwerfällig nach seiner Zukunft sucht. Während nach einer aktuellen UNICEF-Studie sich die Anzahl der in Armut lebenden Kinder seit 2004 auf 2,5 Millionen verdoppelt hat, wird der Wehretat für 2007 um 480 Millionen aufgestockt. Ein recht 'uncooler' Vergleich, nicht aus einer Bananenrepublik, sondern mitten aus Deutschland. In einer der reichsten Volkswirtschaften der Welt müssen Eltern ihre Kinder von der Ganztagsschule abmelden, weil sie kein Geld mehr haben, um dort das Essen zu bezahlen.

Die UNICEF-Studie zeigt, dass die Kinderarmut in Deutschland seit 1990 stärker gestiegen ist als in den meisten anderen untersuchten Industrienationen. Bundesweit werden in einer neuen Statistik des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Berufsjugendhilfe 16,2 Prozent der Kinder unter 15 Jahren als Sozialgeld-Empfänger geführt. Sozialgeld erhalten alle nicht erwerbsfähigen Angehörigen einer sogenannten "Hartz 4-Bedarfsgemeinschaft". Zynisch redet Kanzlerin Merkel im Berliner "Forum für Kinderarmut" davon, "dass Hartz IV die Lage der Kinder nicht verändert habe", ihr bereite die "emotionale Armut" durch mangelnde "Zuwendung und Erziehungskraft" der Eltern ebenso viel Sorge wie die materielle Armut. Vergessen ist dies, wenn sie im Kabinett über die systematische Ausweitung der Niedriglöhne spricht, vermutlich verfassungswidrigen Kürzungen des ALG2-Satzes um 30 Prozent nicht abgeneigt ist, und eine Steuerreform befürwortet, die die Unternehmen um Milliarden entlastet.

"Die Frage, wie sich Kinder in unserer Gesellschaft entwickeln, ist eine Frage nach der Zukunft unserer Gesellschaft" beendet die Kanzelrin ihren TV-Auftritt. Die Generation der Armen wächst mit diesem Wissen von Recht und Unrecht heran, einem radikalen sozialen Bewusstsein, das aufbegehren wird. Es sind die allgemeinen Verhältnisse, die das Verhalten des Menschen bestimmen, sein soziales Bewusstsein.

An der größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich wird auch das halbherzig eingeführte Elterngeld nichts ändern. “Es wird viel über ganztägige Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gesprochen, aber die Bundesrepublik bildet in dieser Beziehung das Schlusslicht in Europa. ... Es ist eher so, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer am 1. Januar 2007 das Leben weiter verteuert und für benachteiligte Familien drastisch verschlechtert. Zu den Beteuerungen, die Armut - besonders die von Kinder und Jugendlichen - bekämpfen zu wollen, passt das überhaupt nicht“ fasst es Christoph Butterwegge zusammen.

Uwe Haack

Das Drama der Kinderarmut und die Rolle der Familien ist das Schwerpunktthema der aktuellen delta-Sendung bei 3Sat.
Kinder ohne Zukunft?
Do, 07.09.2006 21 H, Wiederholung 15.09.2006, 14 H.
Nach der Sendung gibt es hier den Podcast als mp3 (RSS-feed)

foto : Chipkasse
aus 'Unser schöner neuer Wedding' Berlin-Wedding 1987 | © Uwe Haack
via tatenlose vollbeschäftigung

11/19/2005

: uturn7


Sex & Sex & Rock 'n' Roll

Den Missverständnissen zum letzten uturn6 möchte ich gern im Wind segeln, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen
(alter Segler-Trick):
"Verliebt sein, wirkt wie Drogen nehmen.
Verliebten Männern wurden Fotos ihrer Geliebten (nicht Ihrer Frauen!/die Red.) vorgelegt. Der Anblick führte zu heftiger Aktivität -genau da, wo auch Drogen wirken. der Stoff, der sexuelles Verlangen stimuliert, heisst DARPP-32. Das Protein reguliert den Haushalt des Dopamins im Gehirn, eines Neurotransmitters, der viele emotionale Reaktionen steuert.
Verantwortlich für tiefe Gefühle ist das Hormon OXYTOZIN, das beim Näherkommen im Gehirn produziert wird. Beim Orgasmus wird das Gehirn davon geradezu überschwemmt."
via | Men's Health 10.2000 |, bzw. aus meiner mail:box
Als ein im Element Wasser in der Nacht Geborener glaube ich von der Materie des Stoffwechsels genug zu verstehen, um Ihnen diese kleine Ergänzung nicht zu unterschlagen.
Der Song ist dazu noch nicht geschrieben, bleibt mir bis dahin
sea, sex & sun von Serge Gainsbourg

Uwe Haack