ccuturn

10/27/2005

: uturn5

Joseph Mallord William Turner Norham Castle, Sunrise circa 1845Do not lose the face,

is named the uppermost commandment!

In Thailand gilt der Kopf als Sitz der Seele. Stößt man jemandem versehentlich an den Kopf, wird eine höfliche Entschuldigung erwartet. Kindern sollte man aus demselben Grund nicht über den Kopf streichen.
Zwei Sätze als Vorwort.

Bleiben wir im sich wandelnden Deutschland. Das oberste Gebot heißt hier: Nicht das Gesicht verlieren! Wenn auch der Monat 'mal wieder länger als das Geld sein sollte; das ist in vielen bundesdeutschen Haushalten so, vergessen Sie das nicht, Tendenz krass steigend. Von Kaufkraft kann keine Rede sein, und eine finanzielle Grundsicherung, ähnlich einer "ausreichenden Gesundheitsversorgung am Limit" ist eben nur "ausreichend", das war zu meinen Schulzeiten eine 4, also dichter an der 5, als an der 2. 'Versetzungsgefährdet'!
Das ist glaube ich, die rechte Gehirnhälfte, die rationale. Die linke macht daraus Folgendes:
- "... Dann gab es noch den Vikar von Ferne, einen bärtigen, schönen Mann: seiner Brutalität wegen war seine Frau gezwungen gewesen, ihn zu verlassen, und sie hatte in der Nachbarschaft Geschichten über seine Unsittlichkeit verbreitet. ... "
aus W. Somerset Maugham, 'Der Menschen Hörigkeit', 1915 .

- "... Und was ist es für ein Phänomen, durch welches sich bei dem Wilden der Eintritt in die Menschheit verkündet? Soweit wir auch die Geschichte befragen, es ist dasselbe bei allen Völkerstämmen, welche der Sklaverei des tierischen Standes entsprungen sind: die Freude am Schein, die Neigung zum Putz und zum Spiele. ..."
aus Friedrich Schiller, 'Über die ästhetische Erziehung des Menschen', um 1800.

-"... Habe ich es schon gesagt? Ich lerne sehen. Ja, ich fange an. es geht noch schlecht. Aber ich will meine Zeit ausnutzen. Dass es mir zum Beispiel niemals zum Bewusstsein gekommen ist, wie viel Gesichter es gibt. Es gibt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere. Da sind Leute, die tragen ein Gesicht jahrelang, natürlich nutzt es sich ab, es wird schmutzig, es bricht in den Falten, es weitet sich aus wie Handschuhe, die man auf der Reise getragen hat. Das sind sparsame, einfache Leute; sie wechseln es nicht, sie lassen es nicht einmal reinigen. Es sei gut genug, behaupten sie, und wer kann ihnen das Gegenteil nachweisen? Nun fragt es sich freilich, da sie mehrere Gesichter haben, was tun sie mit den anderen? Sie heben sie auf. Ihre Kinder sollen sie tragen. Aber es kommt auch vor, dass ihre Hunde damit ausgehen. -Weshalb auch nicht? Gesicht ist Gesicht. ...
aus Rainer Maria Rilke, 'Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge', um 1900.

Um Sie aus den Grübeleien heraus zu holen, habe ich ein Aquarell zum uturn5 gewählt:
Joseph Mallord William Turner, 'Norham Castle, Sunrise', circa 1845.
Oder googeln Sie doch zu diesem Thema. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich selbst für einen Augenblick ein anderes Gesicht gönnen.

:: Uwe Haack