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8/08/2008

: uturn 13 | 08.08.88 - 08.08.08

Am 08.08.1988 bereitete ich mich am Wochenende auf Dreharbeiten in Goslar vor. Fernab in Burma starben mehr als 3.000 Studenten bei dem Versuch die Militärjunta Burmas mit friedlichen Mitteln zu stürzen. Das Militärregime konnte sich der unprätentiösen Waffenunterstützung des totalitär-maoistischen Nachbarn China sicher sein, damals wie - neokapitalistisch gewandelt - heute.

Am Abend des 08.08.2008 werden die Olympischen (TV)Spiele in Peking eröffnet, zahlreiche selbsternannte oder so genannt demokratisch gewählte Staatsvertreter werden mit leuchtenden Augen den Zeremonien ihres wichtigsten Wirtschaftspartners folgen; die 8 ist eine besondere Glückszahl für die Chinesen klärte uns Unwissende bereits vor einigen Tagen das manager-magazin auf, damit wir den schwierigen Sachverhalt bis zur Propaganda(live)-Schaltung auf allen Kanälen auch verstanden haben.

Ich muss zugeben, dass ich vor 20 Jahren an andere Freuden des Lebens dachte, als an die Verteidigung von Menschenrechten im Burmesischen Golf. Als Berliner war ich mit der prägenden Wahrheit, was Freiheit -auch des Reisens- bedeuten kann, gross geworden. Spätens am Tränenpalast war für meine Freunde Schluss mit lustig, und wenn man das Glück hatte, die letzte U-Bahn in den Westen zu verpassen, konnte man angetrunken und müde den offenen Lebensbeichten der DDR-Grenzorgane lauschen, die sich nicht scheuten, sich für ihren sozialistischen Bohnenkaffee zu entschuldigen.

Damals hatte ich - glücklich befreit von der ersten S- oder U-Bahn am Bahnhof Wedding zum Espresso wieder ausgeworfen - gedacht, dass diese sich so merkwürdig gebärende deutsch-sozialistische Idee eine geschickt vermarktete Fortsetzung alter national-sozialistischer Ideale wäre, die ich glücklicher Weise nur aus Erzählungen kannte, und Dank heroisch verklärter Riefenstahl-Bilder halbwegs visualisieren lernte.

20 Jahre später, am 08.08.2008 ist alles so schön bunt hier, dass man die Realität vor HD-flackernden Bildern kaum ahnen kann. Es ist an dieser Stelle müssig, sich darüber zu erregen, ausser der kleine Adrenalin-Schub kann nicht anders besorgt werden, dass "die unpolitischen deutschen Blogger" nicht die Chance ergriffen haben, in gepflegter Langzeit-Recherche seit dem Herbst des vergangenen Jahres, oder - für die Heerschaaren der GutMensch-Blogger vielleicht passender - seit den nur kurzfristig medienwirksam inszenierten tibetischen Tumulten im Früjahr 2008, die Rolle Chinas im 21.Jahrhundert zu sezieren. "Liebe selbsternannte oder so genannt traffik-erwählte A-, B- oder sonstwie Blogger (mit oder ohne google-ads sponsering), lasst es Euch sagen: Ihr seid ein so herrliches Spiegelbild dieser Gesellschaft, dass es nicht verwundert, so selten komplexere Zusammenhänge in Euren Tagesnotizen zu lesen, bei den SpOnikern steht es ja auch nicht!"

Es gibt jedoch unermüdliche C(ultur)-Blogger, leidenschaftliche Amateure, die aus ihrer Passion nicht selten zur Profession erwachsen (nicht unähnlich den C-Movie Machern). Godard bewunderte die Foto-Amateure, da durch ihr zahlreiches Knipsen die grossen Companies die Entwicklungskosten neuer Filmemulsionen generierten, und ihm damit das Filmen überhaupt ermöglichten. Vielleicht lässt sich das auf Blogs wie das von Christiane Zintzen, Wien und gelegentlichen Gastautoren geführte in|ad|ae|qu|at übertragen, die in einem steten Netzwerk Blog4Burma seit fast einem Jahr die Nachrichten-Diktatur der deutsch-sprachigen Massenmedien durchbrechen, und aus verschiedenen Quellen kommentierte Lageberichte zum Burmesischen Freiheitskampf veröffentlichen. Unerbittlich, unabhängig, unaufgefordert, nur sich selbst und dem Inhalt verpflichtet:

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III. 8888 SPIRIT

BURMA 8 8 88 2008Das fatale Datum - auch bekannt unter der Formel “8888 Uprising” - erinnert an jene zum Volksprotest ausgeweiteten Studentendemonstrationen , bei welchen bis zu 3.000 Menschen getötet wurden und Unzählige verschleppt : So die Angaben von Menschenrechtsorganisationen , während die Regierung von nicht mehr als einigen Dutzend Toten sprach . In der Folge wurde hüben , auf Seite der Junta , jene moderne Variation der Gestapo gegründet , welche zunächst unverblümt auf den Namen “State Law and Order Restoration Council” ( SLORC ) lautete , ab 1997 dann euphemistisch als “State Peace and Development Council” ( SPDC ) figurierte . Drüben entstand jene National League for Democracy die , bei den Wahlen 1990 von einer Bevölkerungsmehrheit votiert , vom putschenden Militär in den Hafen von “Peace and Development” , respektive : von “Law and Order Restoration” zurückgejagt wurde : Tod , Inhalftierung , Exil . - Trotzdem : Mizzima News spricht von einem “8888 spirit” , dessen Flamme auch nach zwei Jahrzehnten Unterdrückung nicht auszulöschen war .

Nun hat bekanntlich Peking den Start der freien Olympischen Spiele anno 2008 just auf den 8. 8. terminiert : eine Provokation für Jeden , der Burmas Generälen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und noch nicht völlig vom schieren Überlebenskampf absorbiert ist .

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1 Tag vor Peking , 20 Jahre und 1 Tag vor dem Desaster des 8. 8. 1988 | in|ad|ae|qu|at |
11-seitiger Beitrag mit umfassender link-Liste
für weiterführende Quellen-Literatur

czz-blog4burma-inadaequat


tags : activism, burma, china