shortlist

2010/04/30

: U GET WHAT U GIVE

: U GET WHAT U GIVE | streetart, cologne - 2008 CC | Foto: ooblog
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U GET WHAT U GIVE


Wenn ich ein Baum unter den Bäumen wäre, Katze unter den Tieren, dann hätte dieses Leben einen Sinn oder vielmehr: dieses Problem bestünde überhaupt nicht, denn dann wäre ich ein Teil dieser Welt. Ich wäre diese Welt, zu der ich mich jetzt mit meinem ganzen Bewußtsein und mit meinem ganzen Anspruch auf Vertrautheit in Gegensatz befinde.
Albert Camus in 'Der Mythus von Sisyphos'
:: Die absurde Freiheit, Was zählt?, 1956

Die shortlist | for art and culture bleibt (vorerst) Teil der virtuellen Welt. Technologien kommen und gehen, Blogger stellt seinen ftp-Service zum 1. Mai 2010 ein, Haloscan hatte bereits vor einigen Wochen seine Kommentare mit einem Echo versehen.
Alles deutet auf Veränderungen hin, allein dem Internet fehlt die Idee, dieser Absurdität, die den Alltag scheinbar prägt und doch nur an der Oberfläche einer Technik kratzt, ein wirkliches Leben einzuhauchen.

foto | U GET WHAT U GIVE | streetart, cologne
2008 CC by ooblog

tags : culture, blog, art
.:. uh

2009/11/09

: Robert Frank | Energy and how to get it

I’m always doing the same images.
I’m always looking outside.
Trying to look inside.
Trying something that’s true.
But merely nothing is really true.
Except what’s out there.
And what’s out there is always different
Robert Frank, in Home Improvements


Robert Frank tauschte nach der Veröffentlichung seines Buches The Americans den Fotoapparat mit der Filmkamera, um im Film besser auszudrücken, was er fühlt, nicht was er gesehen hat. Er will nicht mehr der einsame Beobachter sein, der nach dem Auslösen wegsieht. Martin Schaub beschreibt über Franks Filme und seine Abkehr von der Fotografie biografische Gründe, innere wie äußere, 'Zweifel an der mitmenschlichen Zulässigkeit des Bildernehmens etwa, Zweifel auch, ob Fotografen ihre Sicht der Dinge ohne Abstriche überhaupt in den Medien veröffentlichen können, Zweifel an der Kraft von persönlichen Bildern in einer Zeit, die die Menschen mit Bildern überschwemmt.' | 1

: Robert Frank, Energy and how to get it | still
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Robert Frank, Energy and how to get it | still

Ich will einen Film machen ... Ich will diese Erinnerungen der Vergangenheit benutzen wie seltsame Objekte, halb vergraben, aus einer anderen Welt kommend, wie Objekte, die eine ungewöhnliche Resonanz verursachen, Träger von Informationen, erwünschten oder unerwünschten Mitteilungen, wahr oder nicht wahr. Objekte, die stören, erzählen, sich ruhig verhalten und oft das Interesse, das man für sie hat, rechtfertigen. Ich möchte gerne einen Fotofilm machen, einen Dialog zwischen der Bewegung der Kamera und dem Einfrieren des starren Bildes aufbauen, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, innen und außen, vorn und hinten. Einen Film drehen im schmutzigen Zusammenhang des Lebens in Cape Breton, Nova Scotia und New York ... Im Film, den ich vorschlage, werden die Fotos Pausen im Filmschwall sein. Durchbrüche, um auszuatmen, Fenster zu einer anderen Zeit, zu anderen Orten. Sicher wird es das gewöhnliche Vorbeiziehen der Personen geben: Nachbarn, Kunstverkäufer, Rechtsanwälte, Hausmeister, Diebe, alle, die betrügen und betrogen worden sind, auch einige Freunde und natürlich den Gast, den man nicht erwartet hat. Das Ganze in 30 Minuten. Genau diesen Film möchte ich machen. | 2

: Robert Frank, Energy and how to get it | still

Robert Frank hat diesen Film gemacht: Home Improvements (1985). Er ist, ähnlich wie Conversations in Vermont (1969), ein Film in Selbstspiegelungen, autobiografischen Reflexionen über sein privates und sein öffentliches Leben, über das Altern, die Vergänglichkeit und den Sinn des Bildernehmens.

Sequenzen aus seinen früheren Filmen Me and My Brother (1969) Moving Pictures (1994) und Home Improvements werden in True Story (2004/2008) erneut in der laufenden Gegenwart offen gelegt. True Story ist eine stille Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, Fotografie und Film, geprägt von der schmerzvollen Erinnerung und der Trauer über den Tod seiner Kinder Andrea und Pablo, aber auch dem zärtlichen Dialog mit seiner Frau, der Künstlerin June Leaf.

: Robert Frank, Energy and how to get it | still

In dem Film Energy and how to get it (1981), der auf den ersten Blick dokumentarische Züge aufweist, demonstrierte Frank sehr eindrucksvoll, dass er auch eine Fernseh-Produktion zu 'seiner' Sache machen kann. Er sollte etwas über Energieersparnis drehen, tatsächlich produzierte er einen Film ( mit Rudy Wurlitzer und Gary Hill ) über den bankrotten, von den Behörden verfolgten Erfinder Robert Golka, der in einem alten Hangar in Utah an Maschinen zur Energiegewinnung aus der atomaren Fusion bastelt, und mit einer riesigen Tesla-Spule Kugelblitze durch sein Hochspannungslabor jagt. Ein an den Patenten interessierter Energie-Zar ( William S. Burroughs ) hetzt seinen Agenten ( Robert Downey ) auf ihn: 'You are a little man with a great idea. I have the money. We have to put these points together.' Energy and how to get it ist eine herrlich schräge Parodie über dokumentarisches Filmen, eine kontrastreiche, grobkörnige Schwarz-Weiß Collage aus Improvisiertem und frei Erfundenem über Golka und die Frage, was einen im Leben antreibt.

: Robert Frank, Energy and how to get it | still

Robert Frank veränderte seine autobiografischen Methoden immer wieder, und stellt sich in seinen fotografischen Filmen mehr noch als in den filmischen Fotoarbeiten immer nur einem: sich selbst. Seine visuellen Essays sind nur der Suche nach Wahrheit, individueller Wahrheit verpflichtet.

1 | Martin Schaub, “FotoFilmFotoFilm: eine
Spirale. Robert Franks Suche nach der wahren Empfindung”; in: Cinema, unabhängige Schweizer Filmzeitschrift, Zürich 1984

2 | Robert Frank, 'J’aimerais faire un film ..',
in Photo Poche 10, Paris 1983
aus Uwe Haack, Ein “Fotograf” filmt [pdf],
in FOTOKRITIK 20, Berlin 1986

fotos | stills aus Energy and how to get it
Robert Frank (16mm b/w, 28', 1981)

tags : Robert Frank, film, photography
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2009/09/15

: Charles Wilp | 77

: ARTronaut 2000X | still
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ARTRONAUT 2000X | still

Charles Wilp wäre heute 77 Jahre geworden; er starb mit 72 Jahren am 2. Januar 2005 in Düsseldorf.

Mitte der 1950er Jahre arbeitete Charles Wilp in Paris mit Jean Tinguely und Yves Klein sehr eng zusammen, u.a. in der Gruppe "Nouveau Realist" als Filmemacher. Mit Klein entwickelte er das Konzept der Sensibilisierung des unendlichen Raumes durch die Potenzierung der Zahl 7 als ein Zeichen für die Freiheit des Menschen in der Unendlichkeit des Raumes, geschaffen durch die eigene Sensibilisierung für den Raum. Jenseits der magischen blauen Farbe wollten Yves Klein und Charles Wilp damals nicht viel mehr, als ihre künstlerische Arbeit ins Unendliche erweitern.

Kurz vor seinem Tod überlässt Yves le Monochrome 1961 seinem Freund Charles Wilp 777777 Kubikmeter endlosen sensibilisierten Raum und ernennt ihn zum Prince de l'espace.

Als ARTRONAUT widmete sich Charles Wilp seit den 1970er Jahren der kosmischen Merkwelt SPACE ART.

"In der neuen Merkwelt
kommt zur Fantasie die Erkenntnis",

heisst seine schlichte Einsicht in ARTRONAUT 2000X.

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foto | still from ARTRONAUT 2000X
D/C/P by Uwe Haack, music by solarmoon, 45', D 2002


:. World Wide Wilp

tags : art, advertising, wilp
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2008/09/15

: Charles Wilp | 76



Der genial-genital getriebene Jet-Set Playboy (Metropolis) Charles Wilp wäre heute 76 Jahre geworden; er starb mit 72 Jahren am 2. Januar 2005 in Düsseldorf.

Künstler schneiden sich die Ohren ab
und springen aus dem Fenster.
Das ist der Kulturbegriff der
Amerikaner Europas.
Charles Wilp

In einem seiner letzten TV-Interviews stellt er seinen Mars-Penetrator vor und spricht über die visionäre Kunst ARTRO.
|| ARTE Metropolis, 01.01.2000
:. World Wide Wilp

The man who once blessed the German nation with a high, was the first artist, while zapped out at high altitude, who was able to experience a state that probably only Rubens and Michelangelo encountered, as exemplified by the flying beings in the Sistine Chapel.

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:. Filme von und mit Charles Wilp | xvideo |

tags : art, advertising, wilp
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2008/09/11

: Damir Niksic | Boogeyland Reservation

: Damir Niksic | Boogeyland Reservation
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Boogeyland Pass Support

Mit einer Boogeyland-Performance von Damir Niksic wurde sehr schräg die erste Mittelmeer Biennale Köln eröffnet. Für alle, die es noch nicht wussten, Köln ist nicht nur die nördlichste Stadt Italiens, sondern Köln liegt am Mittelmeer - Amsterdam auch!, einer weiteren Performance von Carola Willbrand und Mark Met.

Die Mittelmeer Biennale Köln Die Sehnsucht nach der Schönheit zeigt Kunst aus Kölns Partnerstädten, künftig alle zwei Jahre an verschiedenen Kölner Kunstorten unter dem Titel POLYLOG. In diesem Jahr kommen die rund 40 Teilnehmer aus Barcelona, Bethlehem, Istanbul, Köln, Sarajewo, Split, Tel Aviv, Thessaloniki, Tunis und Turin.



Cultural Blindness The disposition to view the events of the world through the values and norms learned in one’s own culture; the inability to be aware or sensitive to the view that those of different cultures may have of events and relations between persons. Basically, a synonym of ETHNOCENTRISM.
Damir Niksic

|| Damir Niksic - Neues Arkadien
|| 13.09. - 31.10.2008 k.u.k. Köln DE | map
Neue Arbeiten des zweimaligen Biennale Venedig-Teilnehmers Damir Niksic

:. Damir Niksic | Boogeyland Reservation

tags : festival, niksic, cologne
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2008/09/08

: Tarmo Vannas

: Tarmo Vannas

Tarmo Vannas is a DJ & Producer from Tallinn/ Estonia and the TechTribeEss 123 is our support 4 the morning ...
play it loud!
:. Tarmo Vannas
:. Tarmo Vannas | mySpace
:. Tech Tribe Music

Tarmo Vannas - TechTribe Essentials 123 | mp3, 1:00 H
|| tracklist
01 John Daly - Don't Look Down - Original Mix - Wave Music
02 Leonid - Mora - Original Mix - Statik Entertainment
03 Solomun & Stimming - Eiszauber - Lawrence Remix - Diynamic
04 Andres Garcia - No More Tears - Quarion Remix - Connaisseur Superieur
05 Gummihz - Under The Sun - Original Mix - Mobilee
06 Reclick & Nick Curly - If U Like - Original Mix - Murmur
07 Brendon Moeller - Electricity - Original Mix - Leena Music
08 The Youngsters - Rock To The Bit - Original Mix - Ovum
09 Brian Sanhaji - Turn Back - Original Mix - Sonata
10 Niederflur - Typo - Original Mix - Minus
11 DJ Emerson - Cut The Crap - Original Mix - Spinclub
12 Claro Intelecto - Rise - Original Mix - Modern Love
13 Soulrack - Go Hamilton - Microfunk Remix - Cray1 LabWorks
14 The Dose - Look Good - Original Mix - Fumakilla
15 D'Julz - Yo Momo - Original Mix - Intacto
via DeepGoa | our F.avorite S.ound S.upport |
.: xmp3.playlist | shortlist |

tags : label, music, vannas, summerWaves08
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2008/09/04

: Wolfgang Zurborn | China! Which China?

: Wolfgang Zurborn | China! Which China?
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Wolfgang Zurborn | China! Which China?

Als ich Wolfgang Zurborn vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal traf, zeigte er in der fotogalerie im wedding eine Mappe seiner Menschenbilder, und interessierte sich für eine Ausstellung bei uns, der letzten Galerie damals in West-Berlin, die ausschliesslich zeitgenössische Fotografie zeigte. Die Galerie Nagel hatte aufgegeben, der Werkstatt für Fotografie in Kreuzberg wurden die Mittel gestrichen.

Später, ich hatte mich vom Galerie-Kollektiv getrennt, hatte er dort seine Berliner Ausstellung, ich nahm seine Serie im virage-Projekt in meinen Film Standbilder auf. Die Arbeit von Wolfgang Zurborn bewundere ich seit langer Zeit, da freute es mich sehr, als er nach vielen Jahren Vorarbeit das visionäre Fotobuch drift endlich realisieren konnte.

Seine neue Arbeit China! Which China? sah ich vor wenigen Tagen zum ersten Mal. Es ist ein schöner Moment, wenn man eingeladen wird zu beobachten, wie ein Mensch noch zu seinen Lebzeiten den Erfolg seines Schaffens erleben darf. Wolfgang Zurborn hat nie etwas anderes - soweit ich das nachvollziehen kann - in seinem Leben gemacht, als mit voller Leidenschaft und verantwortungsvoller Genauigkeit genau das zu tun, was er für richtig oder spannend hielt.

: Wolfgang Zurborn | China! Which China?

Seit Menschenbilder - Bildermenschen sucht er die Wechselwirkung zwischen den Menschen und deren Bildern, der von sich/ihnen gemachten/für die geschaffenen Bilderwelten und der Wechselwirkung auf die Auserwählten. drift war ein Meilenstein der zeitgenössischen Fotografie, mit vermutlich ähnlichen Konsequenzen, wie es einmal The Americans von Robert Frank für die so genannte straight street photography in den 1950er Jahren war.

Wenn Wolfgang Zurborn in drift seiner eigenen Arbeit die Krone aufsetzte, dann hat er jetzt alle Freiheiten provokant zu fragen China! Which China?. "Es ist sehr erholsam, nach all den inszenierten Bildern der Olympischen Spiele, nach all der arrangierten, retuschierten Wirklichkeit mit Wolfgang Zurborns anarchistischem Auge auf China zu schauen. Der Zufall führt Regie, die Botschaft ist verschlüsselt, der Sinn spielt Verstecken, der Monolith zerfällt in Einzelteile", beginnt ein ganzseitiger Artikel Die Spiele sind vorbei, das Spiel beginnt von Jakob Strobel y Serra in der FAZ. Das Spiel beginnt vor allem für Wolfgang Zurborn, oder für uns, wenn wir es uns gönnen, uns in die Labyrinthe seiner vielschichtigen Bilderwelten fallen zu lassen, um taumelnd, irritiert wieder aus ihnen heraus zu krabbeln.

Nicht nur das Einlassen auf Zurborns Bilder auch das Verweilen im stets neu gewählten Kontext der Publikation hat seinen Reiz. In der neuen Arbeit sind es aufwendig gestaltete Klapp-Portfolios, wie sie eher an der Uni verwendet werden, wenn eine Semesterarbeit publiziert werden soll. Meine Befürchtung ist eine sehr neugierige, was die Arbeit - nicht nur die fotografische - von Wolfgang Zurborn betrifft: Wir werden aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Nach der HEIDI zeigt er erstmalig in einem solchen Rahmen seine Kochkünste am Wok ...

Wolfgang Zurborn | China! Which China?
05.09. - 10.10.2008 Galerie V8, Köln DE / map
Eröffnung : 05.09.2008, 19 H
Booksigning und Koch-Event : 25.09.2008, 19 H
:. Wolfgang Zurborn

Seit 22 Jahren und über 150 Ausstellungen betreibt Wolfgang Zurborn zusammen mit Tina Schellhorn in Köln die Galerie Lichtblick, die im Rahmen der 19. Photoszene Köln ihre China-Ausstellung am folgenden Tag eröffnen:

China Stories
mit Fotografien von Harvey Benge, Øyvind Hjelmen, Ferit Kuyas und Pok Chi Lau
07.09. - 05.10.2008 Galerie Lichtblick, Köln DE / map
Eröffnung : 06.09.2008, 20 H

tags : art, photography, zurborn
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2008/09/03

: MY POEM IS LOADED

MY POEM IS LOADED by oolab
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MY POEM IS LOADED WITH SIX BULLITS
2008 CC by-nc-nd | oolab
|| fotowork by Arnaud Heller, Düsseldorf / DE 2007
|| reloaded by oolab, Oslo / NO 2008
../ aus Heimkehr ans Wasser, UE J. HAWK
© 2008 by oolab
via | tatenlose vollbeschäftigung |
tags : art, poetry, heller, oolab
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2008/08/28

: Planka & Tankafritt

rettung ohne untergang by oolab

Globalisierung heisst in der direkten Übersetzung eigentlich nur, dass alles getan werden muss, um auf einem weltweiten Kapitalmarkt eine möglich hohe Rendite zu erzielen. Diesem Märchen von den freien Marktgestzen sind nicht nur Volksbetriebe in Deutschland aufgesessen, dabei wurde dieses Märchen von den so genannten weltweiten Marktzwängen, denen nun alles unterliegen soll von den NeoCaps ( NeoKapitalisten ) nicht einmal einfühlsam vorgetragen.

In Schweden, dem Land im hohen Norden Europas, das einmal - lang ist es her - vorbildlich für seine Sozialpolitik war, haben internationale Konzerne das Volk längst von seinem mit Steuergeldern erarbeiteten 'Volkseigentum' der kommunalen Betriebe befreit. In der Regel führten danach die 'marktwirtschaftlichen Zwänge' zu drastischen Preisanstiegen, die mit den Steigerungen der Löhne kaum stand hielten. Eines der jüngsten Beispiele ist die Stockholmer U-Bahn, die zwar weiterhin im (rechtlichen) Besitz der Kommunalverwaltung ist, doch deren Aufgaben komplett an private Unternehmen vergeben wurden, Betreiber ist seit fast 10 Jahren der französische Ableger des Transport-GlobalPlayers Veolia; für die aktuelle Ausschreibung hat sich die Deutsche Bahn beworben.

Das führte in den vergangenen Jahren dazu, dass das Monatsticket der U-Bahn für Jugendliche nicht mehr zu bezahlen war, und daher 'Schwarzfahren' angesagt ist. Seit einiger Zeit gibt es dafür sogar eine Organisation und die Versicherung Planka, die Schwarzfahrer vertritt, wenn sie erwischt werden. Begleitet wird die Initiative von einem interaktiven Frühwarnsystem für die Controlettis per SMS und aktivem Massenschwarzfahren und anderen PowerAktionen rund um die U-Bahn-Logistik.
Jedes Mitglied zahlt 10 Euro (etwa 100 Kronen) im Monat ein. Falls es beim Schwarzfahren erwischt wird, schickt es den Strafzettel (in Höhe von 1200 Kronen) an uns – wir bezahlen ihn dann. Wie bei einer normalen Versicherung gibt es auch bei uns eine Selbstbeteiligung, das sind jeweils 100 Kronen. Unter dem Strich ist das für den einzelnen weit günstiger als die 690 Kronen, die heute für eine Monatskarte in Stockholm fällig sind.
Wladek Flakin in Der öffentliche Verkehr muß ein Recht für alle sein bei | jw |

So ähnlich funktioniert das auch beim Filesharen: 'Tankafritt heißt die schwedische Versicherung, die Raubkopierer gegen die finanziellen Risiken ihrer Vergehen versichert. 15 Euro kostet die Anmeldung für ein Jahr. Wird man beim Filesharing erwischt, trägt die Kosten für Anwalt und Bußgeld die Versicherung. Entstanden ist Tankafritt aus der politischen Protestbewegung gegen die Verschärfung des Urheberrechts in Schweden letzten Sommer.'
in Piratenschutz von Lea Hamper für | jetzt |

foto :
rettung ohne untergang by oolab by-nc-sa
tags : activism, capitalism, culture
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2008/08/26

: When Too Perfect

When too perfect,
lieber Gott böse.


In nur sechs Worten fasste der geniale Pionier der Videokunst Nam June Paik seine Lebensphilosophie zusammen, und schrieb allein mit diesem Satz ein ganzes Lehrbuch.

Nam June Paik starb Anfang 2006 mit 74 Jahren in Miami. Ursprünglich studierte er als Musikkomponist bei Karlheinz Stockhausen in Köln. Auf Fluxus-Konzerte in Amsterdam, Kopenhagen, Paris und Düsseldorf, folgten erste Videoinstallationen. Der gebürtige Koreaner vertrat Deutschland 1993 auf der Biennale in Venedig.
Monitore blicken zurück, Martin Zeyn für | taz |

tags : art, video, paik
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