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2006/03/21

: Die Kinski Bänder

Klaus Kinski, Bild: dpa
Die Kinski Bänder
Gottes letztes Interview


San Francisco 1991. Ein Journalist sitzt in seinem Hotelzimmer und telefoniert. Mit Klaus Kinski. Interviews mit Hollywoodstars sind nicht einfach. Sie stellen Bedingungen, verlangen Verträge, wollen auf das Titelbild und die Fotos auswählen. Normalerweise organisiert das die Agentin, doch diesmal ist Kinski selbst am Telefon.

Dieses letzte Interview, das kein Interview ist, soll die Öffentlichkeitsarbeit eines Weltstars zeigen, der hustend und frierend stundenlang erklärt, dass er nicht mit sich reden lässt. Eine anmaßende Kinski-Collage - im Jahr seines 80. Geburts- und 15. Todestages. foto : wdr / dpa

Autor : Lorenz Schröter
Produktion : WDR 2006, 53'
streaming : open : pop drei : 27.03.2006, 23:05 | wdr3

:: update 2006/10/30
- Die Kinski-Bänder wurden vom WDR für den 'ARD-Online-Award' nominiert.
Interessanter als diese unsägliche zum Hörspiel gespuschte Collage wäre das Original-Material, ungeschnitten.
- text : Ein Schwanz packt aus, Interview im TEMPO, 1991 | via d-danner |::

„Endlich die Ehre, die mir gebührt!“
Als Der Spiegel 1961 | 'Abende eines Fauns' auf www.klaus-kinski.de |
Klaus Kinski eine Titelstory widmete, rezitierte er bereits seit 10 Jahren vor mehr als 1 Million Zuhörern Werke der Weltliteratur.

„Ich steige auf den ersten besten Tisch und spreche, schreie, brülle, flüstere, hauche, keuche, weine, lache die Balladen des François Villon aus meiner Seele, barfuß, in zerrissenem Pullover und mit Schiebermütze, in der ich nach jeder Ballade Geld einsammle.“

So beschreibt Klaus Kinski seinen allerersten Rezitationsabend im Frühjahr 1952 im Berliner Cafe „Melodie“. Die Grenzen zwischen Autor und Rezitator verschwinden. Er selbst beschreibt die Symbiose wie folgt: „Als er in einer zotigen Kneipe drei Nächte lang Balladen! von Villon spricht, kann er nachts oft nicht weiter sprechen vor Tränen. Es war, als hätte er Blut auf den Lippen gehabt von seinem zerrissenen Herzen, denn auch er hatte wieder den höchsten Grad seiner Verzweiflung erreicht, jedes Wort von Villon ist das Bekenntnis seiner eigenen Seele, eine Auseinandersetzung mit der Welt der Menschen, aber in dem eindeutigen Aufschrei der gequälten Kreatur. Sein Ausdruck ist Revolution, Revolution gegen jede Unterdrückung und gegen die kleinste Einschränkung der Freiheit eines jeden Wesens, Revolution gegen kleinliche menschliche Gehässigkeit und Verrohung, Revolution gegen Gleichgültigkeit und Apathien, Revolution gegen das Verruchte und Verlogene, Revolution für die Hingabe der Liebe und für das große Mitleid, Revolution für die Schmerzen.“
Auszug aus dem Booklet des "Kinski spricht"-Box-Sets

video : Erlöser-Interview | YouTube
link : Kinski-Fotos von Beat Presser :: UH