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2006/10/04

: Jean Ziegler

Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung

'Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler reist als UNO-Sonderberichterstatter in die Länder, die von Hunger und Not betroffen sind. Wird dort das jüngste offiziell deklarierte Menschenrecht auf Nahrung wirklich respektiert? Seine Erlebnisse und Berichte sind schonungslos und offen - offen wie sein ganzes Wesen, das die Augen nicht vor den Belangen der Welt verschließt und nicht schweigt, wo andere keine Sprache mehr finden."
ZUKUNFT DER ARBEIT X : Zeit ist menschliches Leben | a tempo 82 | 700kb, pdf
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Das Imperium der Schande
Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung
Jean Ziegler, Bertelsmann 2005, 320 S, EUR 19,90 | amazon


update 27.07.2011
JEAN ZIEGLER
gilt als Stimme der Armen und Schreck der Mächtigen.
Der Schweizer Soziologe geht in der nur 16-seitigen Broschüre „Der Aufstand des Gewissens - Die nicht gehaltene Festspielrede 2011“ mit Banken und Konzernen hart ins Gericht.

In den 80er Jahren sprach Erich Fried folgendes Gedicht auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg:

Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.
Jetzt, stirbt schon wieder ein Kind.


Während er das Gedicht sprach, verhungerten 15 Kinder auf dieser Welt. Während Sie diese 15 Zeilen in einem der Traurigkeit angemessenem Tempo lasen, starben in dieser Minute 15 Kinder an Hunger; 15 Kinder jede Minute, 20.000 Kinder jeden Tag. Dieses Gedicht ist auch noch heute traurige Realität. Wer diesen Status anzweifelt, als nicht gottgegebenes Muss betrachtet und neue Wege aufzeigt, ist in der Öffentlichkeit ein Außenseiter. 15 ermordete Kinder pro Minute spielen keine Rolle und sind keine Schlagzeile wert. Diese 15 Kinder sind normal, das sind wir gewohnt, das ist das Etablierte; soweit man von normal in diesem Zusammenhang reden will. Dann wird sicher auch nicht erstaunen, dass die Masttiere in den hochentwickelten Industrienationen fast die Hälfte des weltweit produzierten Getreides verzehren.

Dazu gesellen sich „Banken-Halunken“ und „Spekulations-Banditen“, die Jean Ziegler mitverantwortlich für den Hunger in Teilen der Welt macht, und das auch in dieser Deutlichkeit in einer 30 Minuten langen Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele 2011 den eingeladenen Schönen ( ... na ja ) und ( so genannten ) Reichen sagen wollte.
Der globalisierungskritische Schweizer Jean Ziegler wurde kurzfristig ausgeladen; stattdessen eröffnete dann der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde und Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck ganz ausgewogen Grossbankiers, Konzern-Mogule und deren temporäre oder dauernden Begleitungen für diesen Abend.

Die Ironie der Geschichte ist es, dass wir vermutlich Zieglers Rede nie hätten lesen können. „Ich kann mich nicht an ein solches Echo auf unsere Veröffentlichungen erinnern“, sagte der Salzburger Verleger Hannes Steiner (Ecowin-Verlag).