: Die Ware Jesus
'Was hat das Christentum auf die Grundfragen des Menschseins heute zu sagen?' fragt der Klappentext des 'persönlichsten Buches, das je ein Papst geschrieben hat' Jesus von Nazareth
. Als Kardinal hatte Joseph Ratzinger 2003 mit dem Buch begonnen, und nutzte -so erklärt es der Pressetext- nach seiner Wahl zum Papst jede freie Minute zum Weiterschreiben. Benedikt XVI. ist überzeugt: "Historisch-kritische Vernunft und Glaube sind kein Widerspruch - im Gegenteil: Es geht darum, den Evangelien zu trauen".
Robert Misik hält den Papst-Bestseller für "ein Dokument der tiefen geistigen Krise des Christentums. Wenn der Boden so schwankend ist, auf dem sich der Katholizismus heutzutage bewegt, wie es nach Lektüre dieses Bands den Anschein hat, dann muss man sich als Agnostiker vor der Rechristianisierung Europas nicht fürchten. ... Der Fluchtpunkt seiner Lektüre ist es, seine Kirche als dissidente, gegenstrebende Kraft in der Gegenwart zu verankern. Immer wieder ruft er aus, wie aktuell das Ganze doch sei: dass man sich "der Kultur des Habens" entgegenstellen soll, "dem Diktat der herrschenden Meinungen" nicht beugen möge. Entfremdet sei der Mensch in einer Welt, "in der es nur auf Macht und Profit ankommt".
Da hat er schon recht, der Papst. Aber das sieht jeder 16-jährige Juso-Aktivist exakt genauso und Oskar Lafontaine auch - bloß, dass nicht einmal der es wagen würde, das derart plump zu formulieren. Und die benötigen dafür auch keine exegetischen Abstraktionen."
Der wahre Jesus, Robert Misik für die | tageszeitung |
tags : books, marketing, religion
Robert Misik hält den Papst-Bestseller für "ein Dokument der tiefen geistigen Krise des Christentums. Wenn der Boden so schwankend ist, auf dem sich der Katholizismus heutzutage bewegt, wie es nach Lektüre dieses Bands den Anschein hat, dann muss man sich als Agnostiker vor der Rechristianisierung Europas nicht fürchten. ... Der Fluchtpunkt seiner Lektüre ist es, seine Kirche als dissidente, gegenstrebende Kraft in der Gegenwart zu verankern. Immer wieder ruft er aus, wie aktuell das Ganze doch sei: dass man sich "der Kultur des Habens" entgegenstellen soll, "dem Diktat der herrschenden Meinungen" nicht beugen möge. Entfremdet sei der Mensch in einer Welt, "in der es nur auf Macht und Profit ankommt".
Da hat er schon recht, der Papst. Aber das sieht jeder 16-jährige Juso-Aktivist exakt genauso und Oskar Lafontaine auch - bloß, dass nicht einmal der es wagen würde, das derart plump zu formulieren. Und die benötigen dafür auch keine exegetischen Abstraktionen."
Der wahre Jesus, Robert Misik für die | tageszeitung |
tags : books, marketing, religion








