shortlist

2007/07/09

: Staatsterrorismus

no stasi 2.0
Es gibt Erwachsene, die bereits als Kind gelernt haben, dass sie nur dann die Aufmerksamkeit bekommen, die sie sich wünschen, wenn sie krank sind. Dieses Verhalten kann sich bis in eine Verletzungssehnsucht steigern.

Die seit einigen Jahren in der Neurobiologie eingeführte Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS), die schon unruhigen Kleinstkindern 'ernsthafte' psychische diagnostiziert, und sie fortan auf bewusstseinsverändernde Psychopharmaka 'einstellt', soll an dieser Stelle in der Betrachtung persönlichkeitsgestörter Erwachsener vernachlässigt werden. Die Krankheitssehnsucht des Kindes muss man sich als Überlebenstechnik vorstellen, die beim erwachsenen, emotional instabilen Menschen unbewusst oder als Neurose kultiviert, auch zu vorsätzlichen Selbstverletzungen, begleitet von narzisstischen oder ängstlichen Persönlichkeitsstörungen und endogenen Depressionen führen kann. Die Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handelns sind beeinträchtigt, was sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen äußert, sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst. Im psychiatrischen Umfeld wird diese 'selbstverletzende' Persönlichkeitsstörung Borderline (BPS) genannt.

In der Psychotraumatologie dagegen erachtet man die BPS als erwiesene Fehldiagnose und zählt das Symptombild zu den schweren komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen (komplexe PBTS). Eine frühe Kränkung des Kindes führt beim erwachsenen Menschen zur Unfähigkeit anderen Personen zu vertrauen, oder zur Viktimisierung anderer Personen. In seinem Buch 'Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!' (Frankfurt, 1991) beschreibt Zizek den Prozess der Viktimisierung als ein gesellschaftliches Identitätsbildungsmerkmal der Postmoderne. Das postmoderne Subjekt neigt zu einem narzisstischen Selbstverhältnis, bei dem es sich gern in einer selbstgewählten Opferrolle darstellt. Zum 'Opfer' kann man auch durch eigenes, trotziges oder (agressiv) exzessives Risikoverhalten werden, weshalb Viktimisierung auch häufiger in der Kriminologie den Prozess des 'Opfer werdens' meint und die Beziehung zwischen Opfer und Straftäter untersucht.

Ich möchte hier ausdrücklich nicht den Schluss ziehen, dass der seit 2005 amtierende Bundesminister des Innern und offensichtlich verletzte Wolfgang Schäuble , CDU die Schüsse auf ihn durch sein Verhalten provoziert hat. Interessanter finde ich an der aktuellen von ihm angestrengten Diskussion um eine Verschärfung staatssichernder Polizeigesetze, die scheinbar gesunde Clique, die Herrn Schäuble vorschiebt, um im nächsten Schritt freiheitliche Grundwerte zu beschneiden.

'Deutschland ist nicht die Insel der Glückseligen' tönt Peter Müller, CDU zur Urlaubszeit. Und der immer für Überraschungen sorgende CDU-Generalsekretär Ronald Profalla deckt mitten im Sommerloch auf, dass die CDU die rechtsradikalste Partei ist, die wir haben. 'Die Union habe immer dafür gesorgt, dass rechts von ihr keine Partei im radikalen Bereich entstehen könne', sagte Profalla in einem Interview.

Der Angstmach-Minister will eine 'eine Guantanamoisierung des deutschen Rechtssystems' vorbereiten, und übertrumpft seinen auch schon nicht zimperlichen Vorgänger Otto Schily, SPD mit offen formulierten Forderungen zur gezielten staatlichen Tötung potentieller Verbrecher als einen neuen Anwendungsfall des sogenannten finalen Todes- oder Rettungsschusses.

'Es geht in Richtung Staatsterrorismus' bezeichnet Christian Tormuschat die von Schäuble aufgebrachte Diskussion. 'Ein Rechtsstaat darf sich nicht so aufgeben. ... gezielte Tötungen (Targeted Killings) sind völkerrechtlich eindeutig unzulässig. Da gibt es nichts zu klären und zu regeln.'

weiterer Artikel dazu auf der shortlist:
:. Der Präventivstaat rüstet auf
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update : 09/05/2007
Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn!
Bürgerrechtler rufen bundesweit zur Teilnahme an einer Demonstration gegen die ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat auf.
Samstag, 22. September 2007, Berlin DE

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