: Kunststoff-Suppe, pazifisch
Okeanos ...,
der doch der Ursprung ist und Anfang aller Dinge
Homer, Ilias 14, Gesang 246
Exzessiver werdendes anthropogenes Terraforming lässt die Erde 2800 Jahre nach diesem mythischen Hohelied nur aus dem Weltall blau und ursprünglich erscheinen. Die Meere sind in vielen Bereichen der Welt nicht nur überfischt, sondern auch 'billige' Müllhalden für Verklappungen und ungefilterte Einleitungen jeglicher Art, auch hoch giftiger oder radioaktiver Stoffe, mit bislang ungeklärter Langzeit-Wirkung auf das empfindliche marine Ökosystem.
Die weltweit größte Müllkippe erstreckt sich über eine beachtliche Fläche doppelt so groß wie die Kontinental USA, und ist dennoch auf Satellitenaufnahmen nicht zu sehen. Unmengen von Plastikmüll treiben als 'plastic soup' unter der Wasseroberfläche im nördlichen Pazifischen Ozean, von der 500-Meilen-Zone vor der kalifornischen Küste bis fast nach Japan. Hochdruckgebiete sorgen für Meeresströmungen in denen sich zwei gigantische, nahezu geschlossene Areale des im Uhrzeigersinn strudelnden 'Great Pacific Garbage Patch' östlich und westlich von Hawaii gebildet haben, die der amerikanische Meeresforscher Charles Moore auf über 100 Millionen Tonnen Treibgut schätzt. Die von Moore gegründete Algalita Marine Research Foundation untersucht aktuell mit der Winter Gyre Expedition die im Nord-Pazifik treibenden Müllfelder, speziell in der Transition Zone Chlorophyll Front (TZCF). In der Übergangszone zwischen subtropischen Meereströmungen mit niedrigem Chlorophyllgehalt und subarktischen mit sehr hohen Chlorophyllanteilen hatte AMRF 1999 in einer ersten bahnbrechenden Studie das unglaubliche Verhältnis von 6:1 Plastikmüll zu Zooplankton (in der Trockenmasse) festgestellt.
1997 bezifferte eine UNEP-Studie die jährlich in die Meere eingebrachte Müllmenge auf mindestens 6,4 Millionen Tonnen, bis zu 13.000 Plastikteile treiben pro Quadratkilometer in den Ozeanen. Der Müll im 'Pacific Garbage Patch' ist zu 90% Plastik, ein Fünftel davon 'entsorgen' Schiffe und Gas- oder Ölbohrinsel, bzw. wird bei Schiffsunglücken ins Meer gespült. Wird der vor den Küsten Asiens und Amerikas treibende Müll von der nord-pazifischen Strömung erfasst, verbleibt er nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) mindestens 16 Jahre in dem Megastrudel des 'North Pacific Gyre'.
Tödliches Treibgut der Wegwerfgesellschaft
Konventionelle Plastikverpackungen, Getränkeflaschen etc. werden im Meer nicht abgebaut, sondern nur bis auf Planktongröße verkleinert, auf Mikropartikel von weniger als 0,3mm Durchmesser. Richard Thompson von der University of Plymouth geht von weitreichenden Folgen aus, die dieser Mikromüll gerade für benthische Organismen haben kann (am Meeresgrund lebende Tiere und Pflanzen mit einer besonderen Filterfunktion für das Meer). Thompson hat unter der Wasseroberfläche eine Dichte von 300.000 Plastik-Partikeln pro Quadratkilometer festgestellt, am Meeresboden lag sie bei 100.000 parts/qkm.
Plastik wirkt im Meer wie ein Giftschwamm, der wasserunlösliche toxische Substanzen wie DDT oder PCB, die über Flüsse ins Meer gelangen, an seiner Oberfläche bindet. Die Konzentration dieser Substanzen an treibenden Plastikpartikeln ist um eine Million Mal höher als im umgebenden Wasser. Fische nehmen die 'nahrungsergänzenden' Stoffe auf und setzen sie in der Nahrungskette fest, oder sterben direkt an Platikverschlüssen und anderen Kunststoffteilen, die sie für Futter halten. Schätzungen gehen von jährlich mehr als einer Million Seevögeln und über 100.000 Meeressäugern aus, die auf diese Weise qualvoll verenden.
Achselzuckend können Europäer die drastischen Entwicklungen im fernen Nord-Pazifik nicht beobachten. Nordsee, Ostsee, und das Mittelmeer sind die hier angrenzenden marinen Problemzonen. Als in den 1970er Jahren das Mittelmeer in eine Kloake zu verkommen drohte, gründete Elisabeth Mann Borgese das International Ocean Institute auf Malta: "Wenn wir den Ozean vergiften, vergiften wir uns selbst. Wir müssen die Meere retten. Der reine Selbsterhaltungstrieb, der allen Lebewesen eigen ist, sollte uns zwingen, unsere Lebensweise zu ändern." Man muß gegenwärtig davon ausgehen, dass für die Integrität komplexer Lebensformen radikalere Triebelemente freigesetzt werden müssen.
:. Algalita Marine Research Foundation
:. plasticsareforever.org
:. Plastik in der Nordsee | 12.03.2008 |
tags : culture environment
der doch der Ursprung ist und Anfang aller Dinge
Homer, Ilias 14, Gesang 246
Exzessiver werdendes anthropogenes Terraforming lässt die Erde 2800 Jahre nach diesem mythischen Hohelied nur aus dem Weltall blau und ursprünglich erscheinen. Die Meere sind in vielen Bereichen der Welt nicht nur überfischt, sondern auch 'billige' Müllhalden für Verklappungen und ungefilterte Einleitungen jeglicher Art, auch hoch giftiger oder radioaktiver Stoffe, mit bislang ungeklärter Langzeit-Wirkung auf das empfindliche marine Ökosystem.
Die weltweit größte Müllkippe erstreckt sich über eine beachtliche Fläche doppelt so groß wie die Kontinental USA, und ist dennoch auf Satellitenaufnahmen nicht zu sehen. Unmengen von Plastikmüll treiben als 'plastic soup' unter der Wasseroberfläche im nördlichen Pazifischen Ozean, von der 500-Meilen-Zone vor der kalifornischen Küste bis fast nach Japan. Hochdruckgebiete sorgen für Meeresströmungen in denen sich zwei gigantische, nahezu geschlossene Areale des im Uhrzeigersinn strudelnden 'Great Pacific Garbage Patch' östlich und westlich von Hawaii gebildet haben, die der amerikanische Meeresforscher Charles Moore auf über 100 Millionen Tonnen Treibgut schätzt. Die von Moore gegründete Algalita Marine Research Foundation untersucht aktuell mit der Winter Gyre Expedition die im Nord-Pazifik treibenden Müllfelder, speziell in der Transition Zone Chlorophyll Front (TZCF). In der Übergangszone zwischen subtropischen Meereströmungen mit niedrigem Chlorophyllgehalt und subarktischen mit sehr hohen Chlorophyllanteilen hatte AMRF 1999 in einer ersten bahnbrechenden Studie das unglaubliche Verhältnis von 6:1 Plastikmüll zu Zooplankton (in der Trockenmasse) festgestellt.
1997 bezifferte eine UNEP-Studie die jährlich in die Meere eingebrachte Müllmenge auf mindestens 6,4 Millionen Tonnen, bis zu 13.000 Plastikteile treiben pro Quadratkilometer in den Ozeanen. Der Müll im 'Pacific Garbage Patch' ist zu 90% Plastik, ein Fünftel davon 'entsorgen' Schiffe und Gas- oder Ölbohrinsel, bzw. wird bei Schiffsunglücken ins Meer gespült. Wird der vor den Küsten Asiens und Amerikas treibende Müll von der nord-pazifischen Strömung erfasst, verbleibt er nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) mindestens 16 Jahre in dem Megastrudel des 'North Pacific Gyre'.
Tödliches Treibgut der Wegwerfgesellschaft
Konventionelle Plastikverpackungen, Getränkeflaschen etc. werden im Meer nicht abgebaut, sondern nur bis auf Planktongröße verkleinert, auf Mikropartikel von weniger als 0,3mm Durchmesser. Richard Thompson von der University of Plymouth geht von weitreichenden Folgen aus, die dieser Mikromüll gerade für benthische Organismen haben kann (am Meeresgrund lebende Tiere und Pflanzen mit einer besonderen Filterfunktion für das Meer). Thompson hat unter der Wasseroberfläche eine Dichte von 300.000 Plastik-Partikeln pro Quadratkilometer festgestellt, am Meeresboden lag sie bei 100.000 parts/qkm.
Plastik wirkt im Meer wie ein Giftschwamm, der wasserunlösliche toxische Substanzen wie DDT oder PCB, die über Flüsse ins Meer gelangen, an seiner Oberfläche bindet. Die Konzentration dieser Substanzen an treibenden Plastikpartikeln ist um eine Million Mal höher als im umgebenden Wasser. Fische nehmen die 'nahrungsergänzenden' Stoffe auf und setzen sie in der Nahrungskette fest, oder sterben direkt an Platikverschlüssen und anderen Kunststoffteilen, die sie für Futter halten. Schätzungen gehen von jährlich mehr als einer Million Seevögeln und über 100.000 Meeressäugern aus, die auf diese Weise qualvoll verenden.
Achselzuckend können Europäer die drastischen Entwicklungen im fernen Nord-Pazifik nicht beobachten. Nordsee, Ostsee, und das Mittelmeer sind die hier angrenzenden marinen Problemzonen. Als in den 1970er Jahren das Mittelmeer in eine Kloake zu verkommen drohte, gründete Elisabeth Mann Borgese das International Ocean Institute auf Malta: "Wenn wir den Ozean vergiften, vergiften wir uns selbst. Wir müssen die Meere retten. Der reine Selbsterhaltungstrieb, der allen Lebewesen eigen ist, sollte uns zwingen, unsere Lebensweise zu ändern." Man muß gegenwärtig davon ausgehen, dass für die Integrität komplexer Lebensformen radikalere Triebelemente freigesetzt werden müssen.
:. Algalita Marine Research Foundation
:. plasticsareforever.org
:. Plastik in der Nordsee | 12.03.2008 |
tags : culture environment





