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2009/11/04

: DESWOS | 40

: Benefizkonzert DEUTSCHE WELLE CHOR zum 40-jährigen Jubiläum der DESWOS | Foto: Danne
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Benefizkonzert DEUTSCHE WELLE CHOR
zum 40-jährigen Jubiläum der DESWOS | Foto: Danne


Mit dem Benefizkonzert 'Zuhause in der Welt' des internationalen DEUTSCHE WELLE CHORs bedankten sich Mitte Oktober in Köln die Mitarbeiter der Deutschen Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V (DESWOS) anlässlich des 40-jährigen Bestehens bei den Förderern und Spendern und stellten zugleich ein dem Jubiläum gewidmetes Hilfsprojekt in den Nilgiris-Bergen in Indien vor.

Der gemeinnützige Verein DESWOS wird von im GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. organisierten Verbänden der Wohnungswirtschaft und deren sozial orientierten Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften getragen sowie durch engagierte Einzelpersonen und Unternehmen anderer Wirtschaftsbereiche. Die DESWOS sieht seit der Gründung ihren Auftrag darin, Hilfe zur Selbsthilfe beim Bau von Wohnraum für notleidende Familien und bei der Sicherung ihrer Existenzen zu leisten, um dadurch Wohnungsnot und Armut in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Zu den Hilfsprojekten, die die DESWOS mit Partnerorganisationen vor Ort vermittelt, gehören aber auch Projekte, die über diese Kernkompetenz hinausgehen, die ökologisch ausgerichtet sind und ebenso der Bildung und Ausbildung, der Wasserversorgung, dem Gesundheitswesen und Einkommen schaffenden Maßnahmen ihren Platz einräumen. "Was macht es für einen Unterschied, ob ich in einem schönen Haus oder einem Pappkarton verhungere?" Mit dieser rhetorischen Frage eines Praktikanten aus Bolivien beschrieb der Generalsekretär der DESWOS und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kölner Wohnungsunternehmen, Georg Potschka, anlässlich der Benefizveranstaltung die vielfältigen Herausforderungen der Hilfsorganisation. Im Jahr 2008 wurden von der DESWOS 24 Hilfsprojekte mit einem Finanzvolumen von rund 750.000 Euro ( 2007 : 1,4 Mio. Euro) gefördert.

Hilfe für 40 Familien in den südindischen Nilgiris-Bergen
Während der kolonialen Eroberung Indiens entdeckten die Engländer die Plateaus der Nilgiris-Berge für den Teeanbau. Die klimatischen Bedingungen der "Blauen Berge" waren ähnlich moderat wie in den Hochtälern des Himalaya-Vorlandes, boten in Höhenlagen von 800 bis 2000 m ideale Anbaulagen, und dienten den Europäern als Zuflucht vor der Sommerhitze in der Ebene. Die in den Bergregionen lebenden Ureinwohner (Adivasi) wurden direkte Opfer der Ausbeutung durch Plantagenbesitzer und Händler, die sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Großteil des indigenen Landbesitzes im Tausch gegen Tabak, Betelnüsse und Alkohol ergaunert haben. Die dichte Vegetation der Berge musste den großen Teeplantagen der nachrückenden Tea-Companies weichen, und die Ureinwohner, die seit vielen Jahrhunderten in den Bergen eine genügsame Selbstversorgungswirtschaft betrieben, wurden in immer entlegenere Gebiete abgedrängt.

Die Paniya, ein Stamm der Ureinwohner Indiens, gehören heute zu den Verlierern dieser Teekultivierung, da sie dem Druck auf ihr Land und ihre Siedlungen nichts entgegensetzen konnten. Sie verloren ihr weniges bewirtschaftbares Land und blieben von allen Errungenschaften einer nachrückenden Zivilisation weitgehend ausgeschlossen. Ohne Lese- und Schreibkultur, ohne Kenntnis ihrer Rechte und ohne Qualifikationen, die das Leben in einer vom Profitdenken dominierten Wirtschaft erfordert, gehören sie zu den wirtschaftlich und sozial ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen Indiens.

Die DESWOS kümmert sich heute um die Nachfahren. Sie betreut mit der Partnerorganisation Centre for Tribals and Rural Development Trust (CTRD) insgesamt 162 Familien mit über 800 Familienmitgliedern der marginalisierten Paniya-Stämme in der entlegenen Bergregion des Gudalur Talukas westlich von Udagamandalam (Ooty, Bundesstaat Tamil Nadu). „Die Paniya haben durchaus eigene Vorstellungen, wie sie in ihrer Gemeinschaft wohnen und leben wollen“, stellt der Projektleiter Mr. R.S. Ranganathen klar, „sie sind kritische Mitgestalter des Projektes und haben eine Bevormundung der Regierung bei der Gestaltung ihrer Häuser entschieden zurückgewiesen. Sie stehen zu ihren ursprünglichen Werten des Wohnens in Häusern mit offenen Außenbereichen und kommunikativer Nachbarschaft der Familien.“ Das CTRD hilft den Paniya seit 20 Jahren, ihre Rechte durchzusetzen.

Die ersten 40 Familien aus mehreren Dörfern werden durch eine modernisierte Erdblock-Bauweise dauerhafte Häuser errichten, die auch den heftigen Monsunregen der Region standhalten. Die Arbeiten sind konsequent auf Selbsthilfe und nachbarschaftliche Hilfe angelegt, eigens ausgebildete Maurer helfen bei der Vermessung und den Fundamentierungen. Die Paniya favorisieren den Lehmbau, eine alte Technologie des Formens einfacher Blöcke, die sie jetzt mit einer Blockpresse verbessern konnten. Zu den Baumaßnahmen gehört auch eine informelle Ausbildung in Bauberufen.

Jedes Jahr werden drei Stammes-Dörfer im Rahmen des Projektes ausgewählt. Hier werden auch größere Gemeinschaftshäuser ( Traditional Tribal Community Hall ) errichtet, die verschiedene Nutzungen zulassen. Den Kindern wird mit behutsamen Bildungsmaßnahmen geholfen, ihre eigene Kultur wertzuschätzen, und sie in ihrer Identitätsfindung zu unterstützen; in den staatlichen Schulen erfahren sie aufgrund ihrer Herkunft oft Diskriminierungen. Einkommen schaffende Maßnahmen, hauptsächlich im Bereich einer kleinen Garten-, Land- und Viehwirtschaft, sollen die Familien auf Dauer in die Lage versetzen, in ihren kleinen Siedlungen attraktive Lebensbedingungen zu schaffen und die Abwanderung in die Städte zu vermeiden.

Das Jubiläumsprojekt der DESWOS ist Teil eines Dorfentwicklungsprojektes ( Rural Housing and Livelihood Programme ) mit der indigenen Bevölkerungsgruppe der Paniya und anderer Stämme, das den Bau von 162 Häusern in einer verbesserten Lehmbauweise mit brandsicherem Ziegeldach, die Einrichtung von Gemeinschaftszentren für Versammlungen und die Früherziehung von Kindern umfassen wird. Das gesamte Projekt wird von der DESWOS mit einem Spendenaufwand von ca. 100.000 EURO und öffentlichen Mitteln durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt. "Ein 40-jähriges Jubiläum zeigt, dass unsere Idee der Entwicklungszusammenarbeit in der Wohnungswirtschaft eine erfolgreiche Vergangenheit hat – und dennoch für die Zukunft eine Herausforderung bleibt,“ so Werner Wilkens, Geschäftsführer der DESWOS in Köln.
:. DESWOS

foto | Benefizkonzert DEUTSCHE WELLE CHOR
zum 40-jährigen Jubiläum der DESWOS im Bürgerhaus Stollwerk, Köln
2009 by Karin Danne


tags : culture, deswos, ngo
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