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2009/11/09

: Robert Frank | Energy and how to get it

I’m always doing the same images.
I’m always looking outside.
Trying to look inside.
Trying something that’s true.
But merely nothing is really true.
Except what’s out there.
And what’s out there is always different
Robert Frank, in Home Improvements


Robert Frank tauschte nach der Veröffentlichung seines Buches The Americans den Fotoapparat mit der Filmkamera, um im Film besser auszudrücken, was er fühlt, nicht was er gesehen hat. Er will nicht mehr der einsame Beobachter sein, der nach dem Auslösen wegsieht. Martin Schaub beschreibt über Franks Filme und seine Abkehr von der Fotografie biografische Gründe, innere wie äußere, 'Zweifel an der mitmenschlichen Zulässigkeit des Bildernehmens etwa, Zweifel auch, ob Fotografen ihre Sicht der Dinge ohne Abstriche überhaupt in den Medien veröffentlichen können, Zweifel an der Kraft von persönlichen Bildern in einer Zeit, die die Menschen mit Bildern überschwemmt.' | 1

: Robert Frank, Energy and how to get it | still
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Robert Frank, Energy and how to get it | still

Ich will einen Film machen ... Ich will diese Erinnerungen der Vergangenheit benutzen wie seltsame Objekte, halb vergraben, aus einer anderen Welt kommend, wie Objekte, die eine ungewöhnliche Resonanz verursachen, Träger von Informationen, erwünschten oder unerwünschten Mitteilungen, wahr oder nicht wahr. Objekte, die stören, erzählen, sich ruhig verhalten und oft das Interesse, das man für sie hat, rechtfertigen. Ich möchte gerne einen Fotofilm machen, einen Dialog zwischen der Bewegung der Kamera und dem Einfrieren des starren Bildes aufbauen, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, innen und außen, vorn und hinten. Einen Film drehen im schmutzigen Zusammenhang des Lebens in Cape Breton, Nova Scotia und New York ... Im Film, den ich vorschlage, werden die Fotos Pausen im Filmschwall sein. Durchbrüche, um auszuatmen, Fenster zu einer anderen Zeit, zu anderen Orten. Sicher wird es das gewöhnliche Vorbeiziehen der Personen geben: Nachbarn, Kunstverkäufer, Rechtsanwälte, Hausmeister, Diebe, alle, die betrügen und betrogen worden sind, auch einige Freunde und natürlich den Gast, den man nicht erwartet hat. Das Ganze in 30 Minuten. Genau diesen Film möchte ich machen. | 2

: Robert Frank, Energy and how to get it | still

Robert Frank hat diesen Film gemacht: Home Improvements (1985). Er ist, ähnlich wie Conversations in Vermont (1969), ein Film in Selbstspiegelungen, autobiografischen Reflexionen über sein privates und sein öffentliches Leben, über das Altern, die Vergänglichkeit und den Sinn des Bildernehmens.

Sequenzen aus seinen früheren Filmen Me and My Brother (1969) Moving Pictures (1994) und Home Improvements werden in True Story (2004/2008) erneut in der laufenden Gegenwart offen gelegt. True Story ist eine stille Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, Fotografie und Film, geprägt von der schmerzvollen Erinnerung und der Trauer über den Tod seiner Kinder Andrea und Pablo, aber auch dem zärtlichen Dialog mit seiner Frau, der Künstlerin June Leaf.

: Robert Frank, Energy and how to get it | still

In dem Film Energy and how to get it (1981), der auf den ersten Blick dokumentarische Züge aufweist, demonstrierte Frank sehr eindrucksvoll, dass er auch eine Fernseh-Produktion zu 'seiner' Sache machen kann. Er sollte etwas über Energieersparnis drehen, tatsächlich produzierte er einen Film ( mit Rudy Wurlitzer und Gary Hill ) über den bankrotten, von den Behörden verfolgten Erfinder Robert Golka, der in einem alten Hangar in Utah an Maschinen zur Energiegewinnung aus der atomaren Fusion bastelt, und mit einer riesigen Tesla-Spule Kugelblitze durch sein Hochspannungslabor jagt. Ein an den Patenten interessierter Energie-Zar ( William S. Burroughs ) hetzt seinen Agenten ( Robert Downey ) auf ihn: 'You are a little man with a great idea. I have the money. We have to put these points together.' Energy and how to get it ist eine herrlich schräge Parodie über dokumentarisches Filmen, eine kontrastreiche, grobkörnige Schwarz-Weiß Collage aus Improvisiertem und frei Erfundenem über Golka und die Frage, was einen im Leben antreibt.

: Robert Frank, Energy and how to get it | still

Robert Frank veränderte seine autobiografischen Methoden immer wieder, und stellt sich in seinen fotografischen Filmen mehr noch als in den filmischen Fotoarbeiten immer nur einem: sich selbst. Seine visuellen Essays sind nur der Suche nach Wahrheit, individueller Wahrheit verpflichtet.

1 | Martin Schaub, “FotoFilmFotoFilm: eine
Spirale. Robert Franks Suche nach der wahren Empfindung”; in: Cinema, unabhängige Schweizer Filmzeitschrift, Zürich 1984

2 | Robert Frank, 'J’aimerais faire un film ..',
in Photo Poche 10, Paris 1983
aus Uwe Haack, Ein “Fotograf” filmt [pdf],
in FOTOKRITIK 20, Berlin 1986

fotos | stills aus Energy and how to get it
Robert Frank (16mm b/w, 28', 1981)

tags : Robert Frank, film, photography
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