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2008/02/21

: Prekäre Superhelden auf der Berlinale

Bei der Premiere des Films 'Die Schwester der Königin' auf der Berlinale gab es eine überraschende Wendung. Als Scarlett Johansson und Natalie Portman den roten Teppich vor dem Berlinale Palast betraten, erklommen Prekäre Superhelden die Großbildleinwand und entrollten ein Banner mit der Aufschrift 'Mir reicht's nicht, Statistin in meinem eigenen Leben zu sein.' Sie warfen Glückskekse mit Zitaten prekär Beschäftigter und skandierten glamouröse Superslogans: 'Glamour, Glamour - prekär on tour!' Mit ihrer Aktion unterstützten die beiden Superhelden GlamGirl und IncrediBoy die Kampagne Mir reicht's ... nicht!, die sich gegen unsichere Arbeitsbedingungen in der Kultur- und Wissensproduktion richtet.
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:. Mir reicht's ... nicht!
:. precarity map
tags : culture precarity

2008/02/18

: Marc Kremers | Tone Poem

: Marc Kremers | Tone Poem

Infinite, randomly generated song, based on glitches from a bad taping of Rodox Video Programme 358 by Color Climax Corp.
Tone Poem (2005) by Marc Kremers | via TAGallery |

tags : kremers poetry video

2008/02/14

: Turlitawa Shutka


Zabrakadabra by Turlitawa Shutka
Live at 'Die Party'/ Funkhaus Europa

:. Turlitawa Shutka | mySpace
tags : bands music Turlitawa Shutka

: NE.IN.-Therapeut

Worte sagen mehr als Blumen
..."zumal vielleicht einige faire Rosen unter den heute verschenkten sein mögen, insgesamt ist auch deren CO2-Bilanz ernüchternd", wird sicher bald in dem Handbuch 'Liebe in Zeiten des Klimawandels' für CO2-neutral Verliebte zu lesen sein.

Tom de Toys, letzter deutscher Dichterfürst aus dem 23.Jahrhundert und selbsternannter Minister für Transtherapeutische Ästhetik, eröffnet den nach ganzheitlicher Lusterfahrung Suchenden mit der NEuropoelitischen INtensivierungstherapie ein Verfahren zur Befreiung des Bewußtseins, um die eigene 'Grundlose Inwesenheit' bereits heutzutage im All-Tag anwenden zu können. Ziel der sehr individuell aufgebauten Einzelsitzungen ist die persönliche Entdeckung & Entfaltung von L.I.E.B.E. als 'Lust integral-erweiterter Bewußtseinseuphorie' und dadurch mögliche Teilnahme am globalen Perma-E³ (existentiell-engagierte Ekstase). Eine Anmeldung zur Tauglichkeitsprüfung ist jederzeit möglich!

wortlos
lieben wir uns
sprechen ist nicht nötig
wir zerfließen ganz
in unseren armen denn
ich liebe mich und du liebst dich
so sehr daß keinem etwas fehlt ...

aus ÜBER(SCH)WIEGE(NE)
Tom de Toys, 11.1.08, 54.E.S. für die Rozenmondin
in der Lyrikmail #1698

Tom de Toys ist vor der hereinbrechenden Nacht in einer LIEBESLYRIK-PERFORMANCE zur Vernissage der Ausstellung EROTISCHES DUELL von Beate Schmitt und Rainer Reusch bei Art&Champagne zu erleben, mit ausgewählten erotisch-spirituellen Gedichten sowie der Welturaufführung des 50.E.S.-Jubiläumsliebesgedichtes (ZUN)GENVERSCH(RA)ENKTE (vom 25.11.07) sowie des WELTURVORTRAGS des brandneuen 54.E.S.-Beispiels ÜBER(SCH)WIEGE(NE) (vom 10.+11.1.08, siehe oben) gemäß der Poetologie einer Querverweis auf... Erweiterten Sachlichkeit (entwickelt seit dem legendären 12.12.1994 in Köln-Pesch) gegen den abendländisch-germanistischen Etikettenschwindel falscher sogenannter 'Liebes'-Lyrik, die in Wirklichkeit meist von der SEHNSUCHT und dem VERLUST bzw. MANGEL an Liebe handelt, aber nur schockierend selten das EREIGNIS DES LIEBENS selber dokumentiert...

:. Tom de Toys :. Institut für Ganz & GarNix
tags : art poetry de Toys

2008/02/13

: Tipping elements in the Earth's climate system

Anthropogenic forcing could push the Earth’s climate system past critical thresholds, so that important components may tip into qualitatively different modes of operation. In the renowned magazine 'Proceedings of the National Academy of Sciences' (PNAS) an international team of researchers describes, where small changes can have large long-term consequences on human and ecological systems.
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Kippelemente im Klimasystem der Erde
Menschliche Aktivitäten könnten das Klimasystem der Erde über kritische Grenzen hinaus belasten, sodass wichtige Prozesse im Gesamtgefüge kippen und von da an grundsätzlich anders ablaufen. In einem Artikel in der Fachzeitschrift 'Proceedings of the National Academy of Sciences' (PNAS) beschreibt ein internationales Forscherteam nun, wo schon kleine Störungen große Auswirkungen auf Mensch und Natur haben könnten.
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:. PIK | Potsdam Institute for Climate Impact Research
tags : culture environment

2008/02/07

: Kunststoff-Suppe, pazifisch

Okeanos ...,
der doch der Ursprung ist und Anfang aller Dinge

Homer, Ilias 14, Gesang 246

Exzessiver werdendes anthropogenes Terraforming lässt die Erde 2800 Jahre nach diesem mythischen Hohelied nur aus dem Weltall blau und ursprünglich erscheinen. Die Meere sind in vielen Bereichen der Welt nicht nur überfischt, sondern auch 'billige' Müllhalden für Verklappungen und ungefilterte Einleitungen jeglicher Art, auch hoch giftiger oder radioaktiver Stoffe, mit bislang ungeklärter Langzeit-Wirkung auf das empfindliche marine Ökosystem.

Die weltweit größte Müllkippe erstreckt sich über eine beachtliche Fläche doppelt so groß wie die Kontinental USA, und ist dennoch auf Satellitenaufnahmen nicht zu sehen. Unmengen von Plastikmüll treiben als 'plastic soup' unter der Wasseroberfläche im nördlichen Pazifischen Ozean, von der 500-Meilen-Zone vor der kalifornischen Küste bis fast nach Japan. Hochdruckgebiete sorgen für Meeresströmungen in denen sich zwei gigantische, nahezu geschlossene Areale des im Uhrzeigersinn strudelnden 'Great Pacific Garbage Patch' östlich und westlich von Hawaii gebildet haben, die der amerikanische Meeresforscher Charles Moore auf über 100 Millionen Tonnen Treibgut schätzt. Die von Moore gegründete Algalita Marine Research Foundation untersucht aktuell mit der Winter Gyre Expedition die im Nord-Pazifik treibenden Müllfelder, speziell in der Transition Zone Chlorophyll Front (TZCF). In der Übergangszone zwischen subtropischen Meereströmungen mit niedrigem Chlorophyllgehalt und subarktischen mit sehr hohen Chlorophyllanteilen hatte AMRF 1999 in einer ersten bahnbrechenden Studie das unglaubliche Verhältnis von 6:1 Plastikmüll zu Zooplankton (in der Trockenmasse) festgestellt.

1997 bezifferte eine UNEP-Studie die jährlich in die Meere eingebrachte Müllmenge auf mindestens 6,4 Millionen Tonnen, bis zu 13.000 Plastikteile treiben pro Quadratkilometer in den Ozeanen. Der Müll im 'Pacific Garbage Patch' ist zu 90% Plastik, ein Fünftel davon 'entsorgen' Schiffe und Gas- oder Ölbohrinsel, bzw. wird bei Schiffsunglücken ins Meer gespült. Wird der vor den Küsten Asiens und Amerikas treibende Müll von der nord-pazifischen Strömung erfasst, verbleibt er nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) mindestens 16 Jahre in dem Megastrudel des 'North Pacific Gyre'.

Tödliches Treibgut der Wegwerfgesellschaft
Konventionelle Plastikverpackungen, Getränkeflaschen etc. werden im Meer nicht abgebaut, sondern nur bis auf Planktongröße verkleinert, auf Mikropartikel von weniger als 0,3mm Durchmesser. Richard Thompson von der University of Plymouth geht von weitreichenden Folgen aus, die dieser Mikromüll gerade für benthische Organismen haben kann (am Meeresgrund lebende Tiere und Pflanzen mit einer besonderen Filterfunktion für das Meer). Thompson hat unter der Wasseroberfläche eine Dichte von 300.000 Plastik-Partikeln pro Quadratkilometer festgestellt, am Meeresboden lag sie bei 100.000 parts/qkm.

Plastik wirkt im Meer wie ein Giftschwamm, der wasserunlösliche toxische Substanzen wie DDT oder PCB, die über Flüsse ins Meer gelangen, an seiner Oberfläche bindet. Die Konzentration dieser Substanzen an treibenden Plastikpartikeln ist um eine Million Mal höher als im umgebenden Wasser. Fische nehmen die 'nahrungsergänzenden' Stoffe auf und setzen sie in der Nahrungskette fest, oder sterben direkt an Platikverschlüssen und anderen Kunststoffteilen, die sie für Futter halten. Schätzungen gehen von jährlich mehr als einer Million Seevögeln und über 100.000 Meeressäugern aus, die auf diese Weise qualvoll verenden.

Achselzuckend können Europäer die drastischen Entwicklungen im fernen Nord-Pazifik nicht beobachten. Nordsee, Ostsee, und das Mittelmeer sind die hier angrenzenden marinen Problemzonen. Als in den 1970er Jahren das Mittelmeer in eine Kloake zu verkommen drohte, gründete Elisabeth Mann Borgese das International Ocean Institute auf Malta: "Wenn wir den Ozean vergiften, vergiften wir uns selbst. Wir müssen die Meere retten. Der reine Selbsterhaltungstrieb, der allen Lebewesen eigen ist, sollte uns zwingen, unsere Lebensweise zu ändern." Man muß gegenwärtig davon ausgehen, dass für die Integrität komplexer Lebensformen radikalere Triebelemente freigesetzt werden müssen.

:. Algalita Marine Research Foundation
:. plasticsareforever.org
:. Plastik in der Nordsee | 12.03.2008 |

tags : culture environment

2008/02/01

: Media Reality by Ztohoven

Die Staatsanwaltschaft im nordböhmischen Trutnov hat eine Klage gegen Mitglieder der Künstlergruppe Ztohoven erhoben, und sechs art-guerillas festgenommen, die der 'Panikmache' und 'Verbreitung falscher Informationen' beschuldigt werden.

ztohoven 2003
? | Ztohoven 2003

Die Aktivisten hatten im Juni 2007 eine Wetterkamera des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehens CT2 in der Nähe des Dorfes Cerny Dul (Riesengebirge) mit einem Laptop gehackt, und ein vorbereitetes Video eingespielt. Nach typischen nebligen Bergpanoramabildern überstrahlt plötzlich ein Lichtblitz den Bildschirm, und ein Atompilz in der morgendlichen Landschaft suggeriert die Detonation einer Atombombe. Nur die eingeblendete Internetadresse ztohoven.com deutet auf die Manipulation hin.

CT2 erklärt, dass an diesem Sonntagmorgen weniger als 50.000 Zuschauer die Bilder gesehen haben, dennoch erstattete der Sender Anzeige, da das Video geeignet gewesen sei "in großen Bevölkerungsteilen Panik auszulösen".

Roman Tyc, ein Mitglied der subversiven Künstlergruppe, bestreitet Spekulationen darüber, die Aktion stehe in Zusammenhang mit der aktuellen Drohung Russlands, Mittelstreckenraketen auf den Standort des geplanten US-Radars in der Tschechischen Republik zu richten. Ztohoven wollte mit der Aktion auf die Manipulierbarkeit von TV-Bildern aufmerksam machen und eine Debatte darüber anregen. Ztohoven in einem Statement zu ihrer seit 3 Jahren vorbereiteten Aktion:
“We are neither a terrorist organization nor a political group, our aim is not to intimidate the society or manipulate it, which is something we witness on daily basis both in the real world and in the world created by the media…"

Der provokante Eingriff ins Frühstücksfernsehen hat eine kontroverse Debatte darüber ausgelöst, wie weit Kunstaktionen gehen dürfen. Erst im vergangenen Dezember hatte Ztohoven für die 'Media Reality' genannte Performance den mit 18.000 US$ (333.000 Kronen) dotierten Kunstpreis NG 333 der Prager Nationalgalerie erhalten. Präsident Milan Knizag äusserte sich begeistert: "Sie sind aus dem Kammerspiel-Kunstterritorium ausgebrochen und haben den öffentlichen Raum erreicht mit dem Ziel, die Gesellschaft in provokanter Weise zu konfrontieren". Nun ist damit zu rechnen, dass das Preisgeld für die Anwaltskosten ausgegeben werden muss.

Der gezielte TV-Hack ist die nucleare Kurzversion der fiktiven Reportage nach H.G.Wells Roman War of the Worlds | mp3 / archive.org |, die Orsen Welles 1938 als Hörspiel bei CBS senden konnte. Der Handlungsort der Originalvorlage wurde damals nach New Jersey verlegt, und führte bei der Bevölkerung zu erheblichen Irritationen, da man das Hörspiel für eine authentische Reportage hielt, und ein tatsächlicher Angriff Außerirdischer befürchtet wurde. Dagegen war die direkte tschechische Zuschauerreaktion am frühen Sonntagmorgen gering. Erst die ständigen Wiederholungen der simulierten Atomexplosion in den Fernsehnachrichten und die Veröffentlichung des Videos im Internet erreichten eine größere Öffentlichkeit.

Roman Tyc, der bereits durch frühere öffentliche Aktionen bekannt wurde, ist mit der Reaktion auf die TV-Performance durchaus zufrieden, und verweist auf das News-Forum der Gruppe. Roman Tyc hatte im April 2007 für Schlagzeilen gesorgt, als er in einer Nacht- und Nebelaktion in Prag dutzende Ampelmännchen ausgetauscht und durch liegende, pinkelnde und trinkende Fantasiefiguren ersetzt hatte. In einem “Bekennerschreiben” hatte er seine Tat damals 'beispielhaft' genannt: Die Menschen sollten sich die Männchen zum Vorbild nehmen und “ebenfalls starre Positionen verlassen”.



"...We hope our action will become an appeal for the future and remind the media of their duty to bring out the truth. Thank you for independent media and free space for our society."

Tschechien als wahrhaftige europäische Enklave, in der die 'Verbreitung falscher Informationen' strafbar ist?
Uwe Haack

update : 2008/03/25
TV-Hack Media Reality keine Straftat
Heute wurde die Klage gegen Mitglieder der Künstlergruppe Ztohoven am Bezirksgericht in Trutnov (Nordböhmen) verhandelt. Richterin Stanislava Suchánková folgte nicht dem Vortrag der Staatsanwaltschaft, dass es sich bei TV-Performance 'Media Reality' um 'Panikmache' oder 'Verbreitung falscher Informationen' handelte. Sie schloss die Verhandlung mit den Worten: "Die vorliegende Handlung ist keine Straftat, und darum spreche ich alle Beschuldigten von der Anklage frei." Das wohlwollende Urteil weicht der entscheidenden Frage nach der Strafbarkeit der 'Verbreitung falscher Informationen' aus, und legalisiert damit auch den tagtäglichen Medien-Mix aus Propaganda und seichter Unterhaltung als künstlerische Informationsshow.

David Brudňák aka Roman Tyc nahm den Freispruch erleichtert auf, die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, die Angeklagten zu 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen.
via | Tschechien online |

A broadcast of Czech Television (CTV) was attacked by the free subversive group Ztohoven in June 2007. Ztohoven had spotted a weak point in the television system and broadcast a fictitious nuclear explosion over an actual weather report on the Czech regions.
:. Court clears Czech nuclear pranksters of charges | earthnews
:. That Mushroom Cloud? They’re Just Svejking Around | NYTimes
:. Statement made by art group Ztohoven
:. Ztohoven vs. Czech Television
:. ztohoven.com

tags : art culture jamming ztohoven