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Color in Transparency
László Moholy-Nagy

Selbstportrait László Moholy-Nagy, 1944

Selbstportrait László Moholy-Nagy, 1944 | 1
Experiment, Avantgarde und Vision sind Begriffe, die man aus aktueller Sicht nicht sofort mit Deutschland in Verbindung bringen würde. In den 20er Jahren des 20.Jahrhunderts gab es mit dem BAUHAUS eine Schule in der von Lehrenden und Studenten revolutionäre Ansätze in Architektur, Kunst und Design entwickelt und umgesetzt werden konnten.

Fotomodell in einer Drahtspirale

Fotomodell in einer Drahtspirale | 2
Der aus Ungarn stammende László Moholy-Nagy war einer der bedeutendsten Lehrer am Bauhaus. Neben Malerei und Grafik galt sein besonderes Interesse der Fotografie, in der er die Möglichkeiten zur Erweiterung einer Bildsprache sah, die auf die neue Zeit und die neuen Vorstellungen von Licht, Raum und Psychologie einzugehen vermochte. Moholy wurde zur Schlüsselfigur des 'Neuen Sehens' in den 20er Jahren. Er setzte sich über die allgemein respektierten Grenzen der Fotografie hinweg, setzte die Kamera nur zu einem kleinen Teil seiner fotografischen Arbeit ein, und benutzte die Mittel von Fotografie und Film, um Bilder mit Licht zu gestalten. László Moholy-Nagy gebührt das Verdienst, die durch Walter Gropius 1923 initiierte neue Ausrichtung des Bauhauses unter dem Motto 'Kunst und Technik — eine neue Einheit' besonders mit seinen fotografischen Konzepten unterstützt und populär gemacht zu haben. Er entwickelte vollkommen neuartige Werbekonzepte und trug mit einer Werbekampagne für die Glaswerke Schott maßgeblich zum Erfolg des 'Jenaer Glas' bei.

Assembly (Vivex) Prozess, 1937

Assembly (Vivex) Prozess, 1937 | 3
In den frühen 1930er Jahren wurden die ersten Farbfilmverfahren marktfähig. Nachdem Moholy-Nagy als bahnbrechender Visionär des 'Neuen Sehens' sämtliche Bereiche der Schwarzweißfotografie erforscht hatte, war die Hinwendung zur Farbfotografie logische Konsequenz seines künstlerischen Schaffens. Nach Hitlers Machtergreifung emigrierte Moholy-Nagy mit seiner Frau zunächst nach Amsterdam, dann nach England (1935-37) und später in die USA, wo er das New Bauhaus in Chicago gründete. In die Beschäftigung mit der Farbfotografie setzte er neben der glühenden Lust am Experiment auch die Hoffnung auf neue, kommerzielle Anwendungsbereiche.

New Yorker Werbetafel, Detail, 1940

New Yorker Werbetafel, Detail, 1940 | 4
Im Gegensatz zu den schwarz-weißen Fotoarbeiten blieb -mit wenigen Ausnahmen- der farbfotografische Teil in Moholy-Nagys Arbeit unveröffentlicht. Die Ausstellung 'Color in Transparency' kommt daher einer kleinen kunsthistorischen Sensation gleich. Aus dem unentdeckten Werkbereich des ungarischen Konstruktivisten und Bauhausmeisters werden 55 abstrakte Kompositionen, Portraits, Werbeaufnahmen, Stadtlandschaften, Studien aus der School of Design/Chicago in großformatigen Leuchtrahmen präsentiert. Kuratorin der Ausstellung ist die Fotohistorikerin Jeannine Fiedler. Zur Ausstellung ist bei Steidl ein umfangreicher Katalog mit weiteren bisher unveröffentlichten Arbeiten erschienen.

Uwe Haack


Color in Transparency
László Moholy-Nagy

Fotografische Experimente in Farbe 1934-1946
21.06. - 04.09.2006, Bauhaus-Archiv Berlin

1 | Selbstportrait László Moholy-Nagy, 1944

2 | Fotomodell in einer Drahtspirale
School of Design, Chicago, 1939-43
Kleinbilddia aus der Sammlung Hattula Moholy-Nagy

3 | Assembly (Vivex) Prozess, 1937
Farbdruck aus der Sammlung George Eastman House
Kodak Museum, Rochester, NY

4 | New Yorker Werbetafel, Detail, 1940
Kleinbilddia aus der Sammlung Hattula Moholy-Nagy
Alle Abbildungen © Bauhaus-Archiv Berlin