Taumelndes Amsterdam
Zur Erblast eines Fotografen gehört es, sich in 'Stillen Bildern'
auszudrücken. Im Gegensatz dazu besteht die effektive Arbeit
eines Filmregisseurs nicht darin, mehr oder weniger naiv die ihn
umgebenden Wirklichkeiten wiederzuspiegeln, sondern sie mit 'Bewegten
Bildern' neu zu inszenieren. Mit dem Blick auf eine lineare Filmgeschichte
und einer Aussage, die jedermann erreichen soll, reduziert sich die
Sprache dieser Inszenierung auf die Mixtur eines zuverlässigen
Rezeptes. Um das stille Bild in eine berauschende emotionale Schwingung
zu bringen, bedarf es einer innigen Meisterschaft im Zusammenspiel
der Bilder und der sinnenfrohen Lust am Neuen. Vielleicht noch der
vorsätzlichen Neugier diese Authenzität mit einfachen Mitteln
herstellen zu wollen.
"Der Meister macht's mobil" heisst das Kunst-Refugium im nervös
pixelnden NOKIA-Magazin BLOGGA. Der Kölner Fotograf Wolfgang
Zurborn machte aus der Einladung zu BLOGGA2 eine verführerische
Performance seiner einzigartigen Bildsprache, die die pure Lust weckt,
es ihm nachzutun, am liebsten mit einem dieser Fotohandys, das die
Meister für ihr mobiles shooting einsetzen. Es geht
allerdings auch mit jeder anderen handelsüblichen Kamera unter
Einsatz einer nicht artgerechten Haltung.
Frühling, Amsterdam, Fotohandy: Die Leichtigkeit, mit der Wolfgang
Zurborn aus seinen Ingredienzen eine Hommage an dieselben formuliert
ist der groovende Rhythmus dieses Tagewerkes. Der surreale Farbentaumel
und Sequenzenrausch, der dieser kleinen Auftragsarbeit innewohnt,
begeisterte mich sofort,
als
ich das Projekt auf der homepage des Fotografen entdeckte. Der fulminante
online-flash, auch BLOGGA, ist nur das Vorspiel. Die wahre Emotion
der zurbornschen Elixiere
entfaltet sich, allen digitalen Vorhersehungen zum Trotz, im analogen
Buch.
Nach regelrecht den Moment atmenden Fotobüchern 'Im
Labyrinth der Zeichen'(1999) und 'dressur
real'(2001) kämpft Wolfgang Zurborn gerade für
sein neues Buch 'Drift'. Um den entscheidenden Augenblick in der
Fotografie haben schon Generationen
von Kritikern, aber auch die Fotografen selbst unnötig
gerungen. Wolfgang Zurborn entzieht sich auch hier gängiger Rezeptionen
des Standbildes, er setzt es in Beziehung zu anderen stills: er verlängert
den Augenblick.
"Die Fotografie ermöglicht es, unmittelbar auf
den Fluss von Reizen zu reagieren, der mir im alltäglichen städtischen
Leben begegnet. Fragmentarische Ansichten fügen sich zu komplexen
Bilderzählungen
zusammen, die dem Betrachter keine eindeutige Interpretation des
Gesehenen liefern, sondern ihn animieren, das Geflecht von inhaltlichen
und formalen Bezügen mit eigenen Wahrnehmungsmustern zu füllen",
beschreibt Wolfgang Zurborn seine Arbeitsweise.
Ich stelle mir 'Amsterdam' als ein wunderbares KurzfilmBuch vor.
Damit wäre NOKIAs Einladung eine ehrliche Umarmung des Künstlers geworden. So bleibt ihm zeitgemäss immerhin eine neue kleine Kamera, mit der er sich bereits während der Aufnahme von der Tonspur inspirieren lassen kann.
:: Uwe Haack
:: links ::
www.wolfgangzurborn.de
Wolfgang Zurborn | Amsterdam
www.blogga-online.de
Blogga 2 | pdf 4,6 mb
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shortlist:feature 3 | pdf 0,3 mb
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:: fotos ::
Montage von 27 Fotos
aus der Arbeit 'Amsterdam', 2005
©Wolfgang Zurborn
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