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feature.3


Wolfgang Zurborn

blogga27 Taumelndes Amsterdam







Zur Erblast eines Fotografen gehört es, sich in 'Stillen Bildern' auszudrücken. Im Gegensatz dazu besteht die effektive Arbeit eines Filmregisseurs nicht darin, mehr oder weniger naiv die ihn umgebenden Wirklichkeiten wiederzuspiegeln, sondern sie mit 'Bewegten Bildern' neu zu inszenieren. Mit dem Blick auf eine lineare Filmgeschichte und einer Aussage, die jedermann erreichen soll, reduziert sich die Sprache dieser Inszenierung auf die Mixtur eines zuverlässigen Rezeptes. Um das stille Bild in eine berauschende emotionale Schwingung zu bringen, bedarf es einer innigen Meisterschaft im Zusammenspiel der Bilder und der sinnenfrohen Lust am Neuen. Vielleicht noch der vorsätzlichen Neugier diese Authenzität mit einfachen Mitteln herstellen zu wollen.

"Der Meister macht's mobil" heisst das Kunst-Refugium im nervös pixelnden NOKIA-Magazin BLOGGA. Der Kölner Fotograf Wolfgang Zurborn machte aus der Einladung zu BLOGGA2 eine verführerische Performance seiner einzigartigen Bildsprache, die die pure Lust weckt, es ihm nachzutun, am liebsten mit einem dieser Fotohandys, das die Meister für ihr mobiles shooting einsetzen. Es geht allerdings auch mit jeder anderen handelsüblichen Kamera unter Einsatz einer nicht artgerechten Haltung.

Frühling, Amsterdam, Fotohandy: Die Leichtigkeit, mit der Wolfgang Zurborn aus seinen Ingredienzen eine Hommage an dieselben formuliert ist der groovende Rhythmus dieses Tagewerkes. Der surreale Farbentaumel und Sequenzenrausch, der dieser kleinen Auftragsarbeit innewohnt, begeisterte mich sofort, als ich das Projekt auf der homepage des Fotografen entdeckte. Der fulminante online-flash, auch BLOGGA, ist nur das Vorspiel. Die wahre Emotion der zurbornschen Elixiere entfaltet sich, allen digitalen Vorhersehungen zum Trotz, im analogen Buch.

Nach regelrecht den Moment atmenden Fotobüchern 'Im Labyrinth der Zeichen'(1999) und 'dressur real'(2001) kämpft Wolfgang Zurborn gerade für sein neues Buch 'Drift'. Um den entscheidenden Augenblick in der Fotografie haben schon Generationen von Kritikern, aber auch die Fotografen selbst unnötig gerungen. Wolfgang Zurborn entzieht sich auch hier gängiger Rezeptionen des Standbildes, er setzt es in Beziehung zu anderen stills: er verlängert den Augenblick.

"Die Fotografie ermöglicht es, unmittelbar auf den Fluss von Reizen zu reagieren, der mir im alltäglichen städtischen Leben begegnet. Fragmentarische Ansichten fügen sich zu komplexen Bilderzählungen zusammen, die dem Betrachter keine eindeutige Interpretation des Gesehenen liefern, sondern ihn animieren, das Geflecht von inhaltlichen und formalen Bezügen mit eigenen Wahrnehmungsmustern zu füllen", beschreibt Wolfgang Zurborn seine Arbeitsweise.

Ich stelle mir 'Amsterdam' als ein wunderbares KurzfilmBuch vor. Damit wäre NOKIAs Einladung eine ehrliche Umarmung des Künstlers geworden. So bleibt ihm zeitgemäss immerhin eine neue kleine Kamera, mit der er sich bereits während der Aufnahme von der Tonspur inspirieren lassen kann.

:: Uwe Haack



:: links ::

www.wolfgangzurborn.de
Wolfgang Zurborn | Amsterdam
www.blogga-online.de
Blogga 2 | pdf 4,6 mb



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:: fotos ::

Montage von 27 Fotos
aus der Arbeit 'Amsterdam', 2005
©Wolfgang Zurborn



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